Sport : Die Fans müssen weiter auf schönen Fußball warten

André Görke

Schön ist es am Rostocker Hafen. Segelschiffe liegen im Wasser, die Sonne scheint. Nur die Polizisten stören das friedliche Bild an diesem Sonntag ein wenig. Daran haben sie sich an der Ostsee aber gewöhnt. Immer wenn Hansa Rostock gegen den FC St. Pauli kickt, setzt die Polizei lieber ein paar Kollegen mehr ein. Die beiden Fangruppen mögen sich nicht gerade, Mitte der Neunzigerjahre war es immer wieder zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Gestern Abend aber, bei Hansas 1:0-Sieg gegen den Tabellenletzten FC St. Pauli, blieb es ruhig.

Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de In Rostock haben sie sowieso schon genug Probleme. In dieser Saison sollte der Klub nicht einfach nur grätschen und bolzen, Hansa wollte sportlich vorankommen und nicht Woche für Woche um den Klassenerhalt kicken. Doch das Konzept ging nicht auf: Hansa Rostock steckt auch in dieser Saison im Abstiegskampf. Trainer Friedhelm Funkel wurde daher vor einigen Wochen entlassen. Seit zwei Spielen sitzt nun Armin Veh am Spielfeldrand, ein ruhiger, sachlicher Mann, der ihnen in Rostock ordentlichen, modernen Fußball beibringen will. Veh krempelte Hansas Spielsystem gleich einmal um, von 3-5-2 auf 4-3-3, jedoch mit einer hängenden Spitze. So spielen auch die großen Klubs der Liga.

Nur gehört Hansa Rostock nicht zu den großen Klubs. "Das Spielerische kommt noch viel zu kurz", sagte Veh. "Klar, vom Ergebnis her bin ich letzlich zufrieden. Aber ich stelle mir das hier anders vor." Drei Stürmer hatte er gegen St. Pauli aufgestellt: Beierle, di Salvo und einen gewissen Bachirou Salou, den sie in Rostock fast vergessen hatten. Er war von Vehs Vorgänger Funkel im Herbst suspendiert worden, weil Salou den Präsidenten kritisiert hatte. Veh sagt: "Es hat doch keinen Sinn, einen Spieler zu bezahlen und ihn dann nicht spielen zu lassen." Gegen St. Pauli spielte Salou aber schwach. Er blieb zur Halbzeit draußen. Veh stellte daraufhin erneut sein System um. Mit Hirsch kam ein weiterer Mittelfeldspieler. "Wir standen schlecht, die Raumaufteilung hat mir nicht gefallen", sagte Veh. Viele der 18 600 Zuschauer pfiffen. Fast war es wieder wie früher.

Viel hatte Rostock bis dahin wirklich nicht gezeigt. Zwei, drei Chancen vielleicht, mehr nicht. Nach einer Viertelstunde landete ein Schuss von Stürmer di Salvo neben dem Tor von St. Pauli. Kurz vor der Halbzeit holte Hamburgs Kovalenko einen Kopfball von Beierle von der Linie. Aber sonst? Hansa spielte recht planlos. St.-Pauli-Stürmer Rath sprach deshalb gleich von einem "Superspiel" seiner Mannschaft, "nur passiert dann eben wieder so ein dummer Fehler". Hamburgs Cory Gibbs riss acht Minuten vor dem Abpfiff den eingewechselten Arvidsson im Strafraum zu Boden, Hirsch traf per Elfmeter zum 1:0. Hansa steht nun sechs Punkte vor einem Abstiegsplatz. St. Pauli dagegen wird wohl in der kommenden Saison eine Liga tiefer spielen. Ein Großeinsatz weniger für die Polizei in Rostock.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben