Die Fans und das Derby : Union gegen Hertha: Kampf der Kehlen

Auch auf den Rängen wurde beim Berliner Derby zwischen Union und Hertha um die Vorherrschaft in der Stadt gestritten – mit Gesängen, Parolen und Feuerwerkskörpern.

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Wenn das Flutlicht nicht reicht: Pyrotechnik im Union-Fanblock.
Wenn das Flutlicht nicht reicht: Pyrotechnik im Union-Fanblock.Foto: dpa

Berlin - Sie hatten lange genug gewartet. Wochenlang redeten die Parteien, diskutierten und stritten. Wochenlang schien die Vorfreude auf das Stadtderby kein Ende zu nehmen. Am Freitag um 18 Uhr konnten die Anhänger beider Vereine ihre angestauten Emotionen Angesicht in Angesicht freien Lauf lassen; vereint im Stadion An der Alten Försterei, und doch so weit voneinander entfernt.

Wenn noch jemand einen letzten Nachweis über die unterschiedlichen Fankulturen beider Berliner Zweitligisten benötigte, so bekam er ihn schon vor dem Anpfiff. Während die Gäste in Blau-Weiß versteckt unter einer riesigen Flagge per Plakat „Berlins größten Reichtum“ für sich beanspruchten, freuten sich die Rot-Weißen über „Fußball pur“ in ihrer Köpenicker Heimat. Der selbst ernannte Hauptstadtklub begegnete also dem kleinen Kiezverein – und zwar qua Liga auf Augenhöhe.

Union - Hertha: Das Berliner Derby, Teil I
Am Ende haben sich alle lieb: Union und Hertha spielen 1:1 an der Alten FörstereiWeitere Bilder anzeigen
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01.02.2011 13:11Am Ende haben sich alle lieb: Union und Hertha spielen 1:1 an der Alten Försterei

Auf dem Platz aber schienen die Kräfteverhältnisse recht schnell zurechtgerückt. Nachdem Herthas Team Union auf dem Platz überrumpelt hatte, übertönte Herthas Anhang gesanglich kurzfristig den Gegner. Herthas Fans zogen es fortan vor, die Partie weitestgehend im Hüpfmodus zu begleiten. Die Unioner Fans hielten dennoch eisern dagegen. Ohnehin gilt die Alte Försterei ja als ein besonders stimmungsvoller Ort, doch am Freitag erlebte sie vielleicht ihren vorläufigen Party-Höhepunkt. „Ich habe ja schon eine paar Spiele hier mitgemacht“, sagte Unions Mittelfeldspieler Michael Parensen, „aber die Atmosphäre gegen Hertha war einfach überragend. Weltklasse.“

Ganz so hoch hatte Unions Präsident Dirk Zingler vor dem Spiel nicht gegriffen. Ihm hätte beim Derby schon ein „friedliches Miteinander“ gereicht – im Rahmen eines „Fußballfestes“, versteht sich. Zingler dürfte zunächst zufrieden gewesen sein. Beide Fangruppen beschränken sich in Hälfte eins nämlich anstelle von Schmährufen in Richtung des Gegners vornehmlich auf Lobgesänge ihres eigenen. Auch Pfiffe gegen zuletzt in unfreiwillig in Diskussion geratene Berliner Spieler, waren nicht zu vernehmen. Überhaupt hatte man im Vorfeld großen Wert auf eine sorgsame Trennung der Lager gelegt. Wer als Hertha-Anhänger zu identifizieren war, durfte sich auf dem Weg ins Stadion über jede Menge polizeilichen Begleitschutz freuen; in die Unioner Fankurve erhielt er verkleidet erst recht keinen Zugang.

Dass es dort, auf der Waldseite der Alten Försterei zwischendurch etwas elektrisierter zuging als gegenüber, hatte mit der Leistung Unions zu tun; die Köpenicker Mannschaft rackerte und nervte den Favoriten gehörig. Die Spannung auf dem Rasen nahm zu, die Anspannung unter den Fans ebenfalls – die anfängliche Freundlichkeit wich Boshaftigkeiten. Den Beginn der zweiten Hälfte vernebelte eine Rauchbombe aus dem Hertha-Block, die Trainer Markus Babbel „gar nicht mochte“. Die Antwort der Köpenicker Fans kam prompt – in Form eines Feuerwerkskörpers.

Doch damit nicht genug: Die Sticheleien übertrugen sich von den Rängen aufs Spielfeld, wo immer mehr derbe Worte gewechselt und Fouls ausgetauscht wurden. Fußball gab es dann aber auch noch zu sehen. Und was für welchen. Union drückte und drückte. Und als der Niederländer Santi Kolk das 1:1 schoss, kugelten sich seine Kollegen Björn Brunnemann und der ausgewechselte Michael Parensen vor Glück gemeinsam auf dem Rasen. Union befand sich im kollektiven Freudentaumel.

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