Sport : Die Fantastischen Elf

Der VfB Stuttgart plant schon die Meisterfeier

Oliver Trust[Stuttgart]

In diesen Zeiten, da Pokale und Schalen quasi vor der Tür stehen, gibt es in Stuttgart fast im Minutentakt Veränderungen. Erst sollte beim VfB Stuttgart am Vatertag ein sogenanntes Geheimtraining stattfinden, dann, sagt VfB-Trainer Armin Veh, „haben wir doch alle reingelassen“. Es waren nicht viele, vor dem entscheidenden Spiel gegen Energie Cottbus hatte man sich beim VfB erst mal abgeschirmt. Es geht schließlich um den Meistertitel. Tagelang hatte der Klub die Nachricht verbreitet, die Tore würden verschlossen bleiben.

Die Massen sollen am Samstag kommen, zur Meisterfeier. Vor dem neuen Schloss wird es Public Viewing geben; 40 000 bis 50 000 Fans werden erwartet. Es wird, hoffen die Veranstalter, so euphorisch zugehen wie bei der WM 2006. Es wäre der fünfte Meistertitel des VfB. Von 14 Uhr an wird gefeiert. Die Band „Die Fantastischen Vier“, alles Schwaben selbstverständlich, spielt kostenlos. 71 Quadratmeter ist die Videoleinwand groß, auf der das Spiel gegen Cottbus gezeigt wird.

Als hätten am Ende alle verstanden, um welche Dimensionen es geht, rüstet nun die ganze Stadt zur Feier. Rund um den Schlossplatz werden Gitter aufgestellt, es wird Kontrollen geben wie bei der WM, und die Kneipen rund um das weitläufige, parkähnliche Areal dürfen kein Bier ausschenken. Holt der VfB den Titel, dann wird es einen Autokorso geben. Die Mannschaft wird in offenen Autos die 5,4 Kilometer lange Strecke vom Daimler-Stadion bis in die Innenstadt zurücklegen und auch am Hotel am Hauptbahnhof vorbeikommen, in dem die DFB-Auswahl beim WM-Spiel um Platz drei residierte. Gegen 20 Uhr könnte sich der Zug in Bewegung setzen. In der Residenz der württembergischen Könige warten Ministerpräsident Günther Oettinger und Oberbürgermeister Wolfgang Schuster auf den Tross. Nach einem offiziellen Empfang soll den Fans die Schale präsentiert werden. Auch wenn die Sache mit dem Titelgewinn noch schiefgeht, wird trotzdem bis auf die Autofahrt alles wie geplant stattfinden.

Später soll die Mannschaft noch in einem Restaurant zusammenkommen, und für Sonntag ist bereits das übliche Regenerationstraining angesetzt. Die Fans dagegen sollen weiter feiern. „Ich habe die Spieler heute gefragt, ob sie ein anderes Gefühl haben als sonst. Bei den meisten war nichts anders. Bei mir schon“, sagte Veh. „Irgendwie ist es schon anders als sonst. Aber wir gehen mit dem Druck gut um, weil wir schon viel erreicht haben. Wir genießen es, diese Chance im eigenen Stadion zu haben.“ Man mache deshalb alles so wie sonst auch, ein bisschen aus dem Bauch heraus, ohne große Aufregung. „Es gibt keinen Grund, feudale Reden zu halten“, sagte Manager Horst Heldt.

Die ganz große Stuttgarter Fete soll erst am 27. Mai steigen, wenn die Stuttgarter vom Pokalfinale aus Berlin zurückkehren. Dann gibt es nach der Landung um zwölf Uhr am Flughafen in Echterdingen den üblichen Eintrag ins „Goldene Buch“ der Stadt, und dann fährt die Mannschaft zum Cannstatter Wasen, wo mehr als 50 000 Fans zur Abschlussfeier erwartet werden.

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