Sport : Die Farblosen

In 18 Tagen durch die Liga (9) – wie die Bundesligisten aufgestellt sind. Heute: TSV 1860 München

Daniel Pontzen

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August. Bis zum Start beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen? Die Entscheidungsgewalt ist bei 1860 München gleichmäßig auf mehrere Schultern verteilt: auf die linke und die rechte von Karl-Heinz Wildmoser. Der Großgastronom hat so viel Macht, dass sich niemand daran stört, wenn er seine Spieler als „Haubentaucher“ oder „Halberwachsene“ abwatscht. Wenn er seinen Posten einmal abgibt, braucht das Namensschild an seinem Büro nicht ausgewechselt zu werden. Als Nachfolger steht Sohn Karl-Heinz Wildmoser junior bereit, zurzeit Geschäftsführer.

Was ist das Besondere? Die Eine-Million-Euro-Frage. Seit geraumer Zeit schon fahndet die Vereinsführung nach einem neuen Image, da sich der Klub in den vergangenen Jahren in redlicher Arbeit das Etikett „graue Maus“ erworben hat. Der Verein ist in der Stadt zwar mit ausreichend Sympathien ausgestattet, um als St. Pauli des Südens das Gegenangebot zum schicken FC Bayern zu stellen. Doch statt auf den Nostalgiebonus zu setzen und sich ins geschichtsträchtige Grünwalder Stadion zurückzuziehen, freuen sich die Löwen auf die neue Arena.

Was hat sich verbessert? Bei einer Mannschaft, die einige ihrer tragenden Säulen verloren hat, geht es wohl zunächst darum, sich nicht zu verschlechtern. Simon Jentzsch ist mit André Lenz zwar gleichwertig ersetzt. Weniger leicht lässt sich jedoch die Lücke schließen, die Thomas Häßler hinterlassen hat. Wenngleich der sensible Weltmeister zuletzt nicht immer unumstritten war, zählte er zu den wenigen, die dem Münchner Spiel eine eigene Identität geben konnten. Jiayi Shao, der potenzielle Nachfolger, braucht noch Zeit. Was sich verbessert hat? Die neuen Auswärtstrikots sind schön.

Wie sicher ist der Trainer? Viel ist nicht übrig geblieben von der Zuversicht, die Falko Götz versprühte, als er im März seinen „absoluten Traumverein“ übernahm. Sein kurzfristiges Projekt, den matten Sechzigern neue Leidenschaft zu verordnen, misslang: Als er das Team übernahm, war es Achter, am Ende Zehnter. Nun hat Götz seine Autorität unterstrichen: Dem widersprechenden Marcus Pürk erlegte er eine Geldstrafe auf, Markus Schroth ernannte er zum Kapitän.

Wie passen die Neuen? Nach der Reduzierung des Etats von 29 auf 23 Millionen Euro hat sich der Verein vornehmlich in der Breite verstärkt. Einen Zugewinn an Qualität verspricht der Finne Janne Saarinen, der für Trondheim schon 14 Champions-League-Spiele absolviert hat und den in der Vergangenheit traditionell schwach besetzten Posten links in der Viererkette einnimmt. Die restlichen sieben Zugänge sind „Perspektivspieler“, wie Götz sie nennt.

Wie wird gespielt? Beim mäßig erfolgreichen Auftritt beim Peace-Cup in Südkorea vergangene Woche blieb Götz seinem 4-4-2-System treu. „Im technisch-taktischen Bereich müssen wir uns sicherlich noch verbessern“, sagte der Trainer.

Wer sind die Stars? Nach dem Abschied von Thomas Häßler, Simon Jentzsch, Martin Max und Davor Suker ist die Rolle exklusiv für Benny Lauth reserviert. Der Stürmer vereinigt sämtliche erforderlichen Attribute auf sich: Er sieht aus, als könne er auch für eine Boygroup auf die Bühne treten, und nebenbei ist er spielerisch so stark, dass er in der Nationalelf mittelfristig sogar an Miroslav Klose vorbeiziehen könnte – vorausgesetzt, er bestätigt die Leistungen der vergangenen Saison. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht: Lauth taugt für Starkult, und er konzentriert sich auf sein Spiel.

Was gibt das Stadion her? Es eignet sich einmalig für tolle Sportereignisse, für Leichtathletik-Europameisterschaften zum Beispiel. Bei Spielen des TSV 1860 dagegen verliert sich die Stimmung zumeist, auf der Gegengerade ist selten mehr als ein Drittel der giftgrünen Sitzschalen besetzt, der Zuschauerschnitt liegt bei 26 000.

Wie sind die Fans? Einige Anhänger, die in der Bayernliga-Zeit noch wenig gnadenreiche Sonntage in Plattling und Ampfing ertragen haben, boykottieren die eigene Spielstätte seit dem Umzug 1995 beharrlich. Der Rest tut sich bei Heimspielen meist schwer, für brodelnde Stimmung zu sorgen. Immerhin setzen die Anhänger ihre Energien anderweitig effizient ein. Am Wochenende holte der Fanklub „Großweiler Löwen“ bei der Deutschen Fan-Meisterschaft in Saarbrücken den Titel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben