Sport : Die Felsen von Rijeka und das Kaspische Meer

Frankfurt und Stuttgart wollen in der Europa League den Fehlstart in der Bundesliga vergessen machen.

Genug verloren. VfB-Profis Molinaro (r.) und Traore nach dem 0:1 bei Bayer. Foto: dpa
Genug verloren. VfB-Profis Molinaro (r.) und Traore nach dem 0:1 bei Bayer. Foto: dpaFoto: dpa

Rijeka/Agdam - Nach ihrem Fehlstart in der Fußball-Bundesliga wollen es Eintracht Frankfurt und der VfB Stuttgart in der Europa League besser machen. Mit Erfolgen gegen die Außenseiter aus Aserbaidschan und Kroatien wollen die Teams von Armin Veh und Bruno Labbadia die Voraussetzung schaffen für das Erreichen der Gruppenphase in dem Wettbewerb. Die Frankfurter wollen am Donnerstag nach sieben Jahren Abstinenz bei FK Karabach Agdam (18.00 Uhr/live bei HR) ein erfolgreiches Comeback in Europa feiern. Der VfB muss im Play-off-Hinspiel bei HNK Rijeka (20.30 Uhr/live bei Kabel 1), dem ehemaligen Klub von Sportvorstand Fredi Bobic, auch das Vertrauen der Fans zurückgewinnen.

Bobic weiß, was seine Mannschaft erwartet. Schließlich beendete der Sportvorstand des VfB in Rijeka seine aktive Laufbahn. Während seines rund sechsmonatigen Ausflugs in den kroatischen Fußball 2006 bekam er oft genug die Gelegenheit, die Stimmung in dem an einer rund 50 Meter hohen Felswand eingebetteten Stadion mitzuerleben. „Durch den Felsen hallt es im Stadion wahnsinnig. Die Rijeka-Fans machen richtig Rambazamba“, sagte Bobic vor dem Hinspiel. Die 10 500 Karten für die Begegnung waren rasch vergriffen, HNK wird also auch ohne den gesperrten Kapitän Dario Knezevic selbstbewusst antreten. In der Liga hat die Elf um Torjäger Leon Benko, der von 2006 bis 2008 wenig erfolgreich beim 1. FC Nürnberg spielte, noch nicht einmal verloren. Doch das alles zählt für Fredi Bobic wenig: „Das Wichtigste wird sein, einen Sieg zu holen“, betonte er. Die Europa League sei eine ideale Bühne, um sich „Selbstvertrauen zu holen“ und dann auch am Sonntag in der Bundesliga beim ebenfalls noch punktlosen FC Augsburg zu gewinnen.

Mit leeren Händen will auch die Eintracht nicht zurückkehren. Die lukrative Gruppenphase ruft. „Der Traum von Europa ist groß – bei Spielern und Fans“, betonte Finanz-Vorstand Axel Hellmann. Auch finanziell geht es um viel. „Sollten wir die Gruppenphase erreichen, können wir zusätzlich mindestens fünf Millionen Euro verdienen. Bei unserem schlanken Etat ist jede Zusatzeinnahme ganz entscheidend, denn sie eröffnet uns für die Zukunft Spielräume“, erklärte Hellmann. Immerhin haben die Hessen gerade erst mehr als drei Millionen Euro für den Transfer von Vaclav Kadlec an Sparta Prag überwiesen. Der Tscheche ist noch nicht spielberechtigt und fehlt wie der verletzte Außenverteidiger Sebastian Jung.

Stuttgarts Coach Labbadia muss weiter auf Serdar Tasci (Einriss des Außenmeniskus im linken Knie) verzichten. Doch auch ohne den Kapitän soll es am Weiterkommen gegen den Dritten der kroatischen Liga keine Zweifel geben. „Wir wollen den letzten Schritt fix machen“, sagte Christian Gentner. „Wir wollen und müssen diese Hürde nehmen. Das ist Ziel und Pflicht.“

Unter Druck steht auch die Frankfurter Eintracht. Nach dem verpatzten Bundesligastart mit den Niederlagen gegen Aufsteiger Hertha BSC und Meister Bayern München kommt dem Tabellenletzten der Trip ans Kaspische Meer gegen den Vizemeister auch sportlich nicht ungelegen. „Das ist ein wichtiges Spiel, in dem du dir wieder mal ein Erfolgserlebnis holen kannst“, meinte Eintrachts Sportdirektor Bruno Hübner. Doch Vorsicht ist geboten, denn den Spielern fehlt jegliche Erfahrung in der Europa League. Nicht nur deshalb könnte sich die Aufgabe beim vermeintlichen Außenseiter schwieriger gestalten als allgemein erwartet. Zumindest warnte Trainer Armin Veh: „Wir müssen auf der Hut sein. Karabach hört sich so exotisch an, aber so schlecht sind die gar nicht. Der Gegner ist viel besser, als viele glauben.“dpa

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