Sport : Die fliegenden Wassertanks Das Mindestgewicht und die Tricks der Skispringer

Sigurd Pettersen hat zugenommen und nun das Sprunggefühl verloren

Benedikt Voigt

Oberstdorf - Diesmal lag es nicht am Gewicht, sondern an den Augen. Sigurd Pettersen hatte seinen Trainer im gleißenden Flutlicht an der Schattenberg-Schanze nicht sehen können, deswegen sprang er einfach ohne das vereinbarte Zeichen. Doch die Bedingungen waren schlecht, und Pettersen landete viel zu früh. Als erster Titelverteidiger der Vierschanzentournee überhaupt verpasste der Norweger die Qualifikation für das Auftaktspringen in Oberstdorf. „Ich habe nur das Licht gesehen“, sagte er hinterher. Aber auch bei normalen Sichtverhältnissen kommt Pettersen zurzeit nicht in Form: „Ich habe mein Gefühl fürs Springen verloren.“

Weil der Internationale Skiverband (Fis) im Sommer eine neue Gewichtsregel für Skispringer eingeführt hatte, musste der Sieger der vergangenen Vierschanzentournee sieben Kilo zunehmen. Die Fis wollte mit ihrer Regelung die öffentliche Diskussion über hungernde und magersüchtige Skispringer beruhigen. „Das Ziel ist erreicht“, sagt der deutsche Bundestrainer Peter Rohwein, „einige Springer haben jetzt andere Backen“. Sie müssen nun mindestens auf einen Body-Mass-Index BMI (Körpergewicht geteilt durch Körpergröße hoch zwei) von 20 kommen. Andernfalls müssen sie mit kürzeren Skiern antreten, die schlechtere Flugeigenschaften haben.

Damit sind die Gewichtsprobleme im Skispringen aber noch längst nicht gelöst. „Durch den emotionalen Stress bei der Vierschanzentournee haben die Springer am Ende schnell einmal ein paar Kilogramm weniger“, sagt der Schweizer Trainer Berni Schödler. Das gilt es mit einzukalkulieren, damit der Athlet beim letzen Springen nicht wegen Untergewichts disqualifiziert wird. „Man muss einen Puffer schaffen“, erklärt Rohwein.

Wie man das schafft, weiß Martin Höllwarth. Dem Österreicher ist aufgefallen, dass die Zahl der Wasserflaschen an der Schanze stark zugenommen hat. „Es gibt plötzlich sehr viele, die etwas trinken müssen.“ Die Rechnung: Ein Liter Wasser mehr im Körper bedeutet auch ein Kilogramm mehr. „Das sind die kleinen Tricks, die man hat“, sagt Peter Rohwein. Und weil bisher nur nach dem ersten Durchgang gewogen wird, reicht das Trinken manchen Springern, um den geforderten Wert einzuhalten. „Man müsste nach dem zweiten Durchgang wiegen“, sagt Höllwarth. Der Bundestrainer unterstützt dieses Anliegen. „Man sollte permanent kontrollieren“, sagt Rohwein, „vor, während und nach dem Springen“.Doch die Auswirkungen der neuen Regel sollten nicht überbewertet werden. Sigurd Pettersen kam zuletzt immer besser mit seinem neuen Gewicht zurecht. Im Training sprang der Titelverteidiger in Oberstdorf immerhin auf Rang acht. Dann flackerte das Flutlicht auf.

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