Sport : Die Flut im Blut

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Frank Bachner über die Schutzsperre für den Kombinierer Kircheisen

Der Nordische Kombinierer Björn Kircheisen ist wegen überhöhten Hämoglobinwertes im Blut mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt worden. Und jetzt? Hat Deutschland etwa seinen nächsten Dopingfall? Die Antwort lautet erst einmal: nein. Ein zu hoher Wert ist noch kein Dopingbeweis. Ob Kircheisen manipulierte, zeigt allein ein DopingTest. Bis jetzt hat der Weltverband nur dafür gesorgt, dass Kircheisen sich im Wettkampf gesundheitlich nicht massiv schaden kann. Denn ein zu hoher Wert kann bei einem Spitzensportler Lebensgefahr bedeuten. Er besitzt übermäßig viele rote Blutkörperchen. Die transportieren zwar massenhaft Sauerstoff, die Flut roter Blutkörperchen kann aber auch eine Thrombose auslösen, weil das Blut zu dickflüssig wird. Im Radsport beträgt die Schutzsperre deshalb sogar zwei Wochen.

Ein Dopingfall ist Kircheisen also nicht, aber er kann noch einer werden. Ein überhöhter Hämoglobinwert weckt Misstrauen. Denn er deutet durchaus darauf hin, dass da mit unerlaubten Blut-Dopingmitteln, sprich Epo oder Darbepoetin, gearbeitet wurde. Zum besseren Verständnis helfen ein paar Rückblenden. Olympische Winterspiele 2002: Die Russin Larissa Lasutina wird Minuten vor Beginn der 4-x-5-Kilometer-Staffel am Start gehindert. Sie hatte einen überhöhten Hämoglobinwert. Kurz darauf wird Lasutina entlarvt, sie hatte sich mit Darbepoetin stark gemacht. Oder die Nordische Ski-WM 2003: Die Finnin Kaisa Varis darf fünf Tage lang nicht starten. Überhöhter Hämoglobinwert. Später erhöhten Sportrichter ihre Zwangspause auf zwei Jahre. Der Grund: Der Dopingtest nach dem überhöhten Blutwert ergab die interessante Tatsache, dass sie sich mit Epo gedopt hatte.

Kircheisen hat bis jetzt nur einen knapp überhöhten Wert. In bestimmten Stresssituationen können Sportler auch auf natürliche Weise ihren Hämoglobinwert überschreiten, sagen Ärzte. Die Aufgabe, ausreichend zu trinken, ist eher kein Stress. Und jeder Sportler weiß, dass der Hämoglobinwert gefährlich hoch steigt, wenn er zu wenig trinkt. Kircheisen behauptet, er habe tagelang zu wenig getrunken. Das sagt ein sechsmaliger Junioren-Weltmeister, der elementarste Dinge der Sportmedizin kennen müsste. Kircheisen ist, Stand heute, kein Dopingsünder. Er wirkt aber, ebenfalls Stand heute, ziemlich amateurhaft.

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