Sport : Die Folgen der Schwalbe

Hellmut Krug

Eine Stunde ist gespielt im Olympiastadion: Herthas Andreas Neuendorf kommt ohne Fremdeinwirken im HSV-Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Wolfgang Stark stellt den bereits gelbbelasteten Mittelfeldspieler vom Platz. Beim Hinausgehen beschimpft Neuendorf Stark und versucht, die Fans gegen die Unparteiischen aufzuwiegeln. Dabei stand außer Frage, dass Neuendorf einen Elfmeter schinden wollte. Muss man solch eine Uneinsichtigkeit nicht stärker – und sofort – ahnden, Herr Krug?

Ich kann schon nachvollziehen, dass sich der Fernsehzuschauer nach Zeitlupenbildern, die eindeutig eine Schwalbe belegen, fragt, warum die Schiedsrichter nicht härter durchgreifen – vor allem dann, wenn der Spieler sich absolut uneinsichtig zeigt. Die Regelbestimmungen sehen aber keine schärferen Sanktionen vor. Wir müssen zwischen zwei Vorgängen unterscheiden: zunächst dem Betrugsversuch von Neuendorf. Im Regelwerk gilt dies als Unsportlichkeit. Wenn der Schiedsrichter erkennt, dass ihn ein Spieler offenkundig täuschen wollte, dann wird er eine Verwarnung aussprechen – oder aber, wenn er bereits verwarnt war, mit Gelb-Rot des Feldes verweisen.

Der zweite Vorgang ist das weitere Verhalten des betroffenen Spielers. Dafür kann der Schiedsrichter direkt keine weiteren Sanktionen aussprechen – auch nicht, wenn der Spieler ausfällig wird. Allerdings kann und wird der Schiedsrichter in diesem Fall einen Sonderbericht anfertigen. Darin beschreibt er detailliert das weitere Verhalten des Spielers. Der Kontrollausschuss des DFB wird dann entscheiden, ob ein Verfahren gegen den Spieler eingeleitet wird. Möglicherweise wird sich das dann in einer schwereren Strafe als der ursprünglich vorgesehenen einwöchigen Sperre niederschlagen. Aber auch Hertha selbst könnte einmal in Erwägung ziehen, gegen solch unsportliches und vereinsschädigendes Verhalten vorzugehen. Damit würde Hertha ein Zeichen setzen, bevor man selbst unter der Unsportlichkeit eines Spielers leidet.

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