Sport : Die Formel 1 des Laufsports

Die besten Marathons schließen sich zusammen

Jörg Wenig/Frank Bachner

London - Die fünf höchstklassigen und spektakulärsten Marathonrennen der Welt wandeln auf den Spuren der Formel 1. In London haben die Organisatoren ihren Zusammenschluss zu den World Marathon Majors (WMM) bekannt gegeben. „Wir starten eine Art Formel 1 des Laufsports“, sagte der Race-Direktor des Berlin-Marathons, Mark Milde. Die WMM-Serie wird am 17. April beim Boston-Marathon beginnen. Anschließend folgen London (23. April), Berlin (24. September), Chicago (22. Oktober) und New York (5. November). Jährlich wird ab 2007 ein Jackpot von einer Million US-Dollar ausgezahlt, den sich der beste Mann und die beste Frau teilen werden.

„Das ist die richtige Richtung. Ich freue mich darauf, bei der Serie zu laufen“, sagte Paul Tergat in London. Der Kenianer war 2003 in Berlin mit 2:04:55 Stunden Weltrekord gelaufen. Die ersten Sieger werden die Major-Veranstalter erst 2007 auszeichnen. Denn gewertet wird bei einer WMM-Serie jeweils ein Zwei-Jahres-Zeitraum – schließlich rennen Star-Marathonläufer in der Regel nur zwei Rennen pro Jahr. Punkten können die Läufer auch in den Marathon-Läufen bei der Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen. Jedoch werden maximal vier Rennen gewertet.

„Das ist der Beginn einer neuen Ära“, sagte der Race-Direktor des London-Marathons, der frühere Weltklasseläufer David Bedford. Einen Sponsor für die Serie gibt es noch nicht. Bedford hofft jedoch, dass die WMM mit einem potenten Geldgeber im Rücken mittelfristig sogar zwei Millionen Dollar jährlich ausschütten können. Dann bekäme jeder Sieger eine Million.

Geld, das ist ein großer Antrieb bei der Gründung der neuen Serie. Bis jetzt konnten die Stars die Veranstalter gegeneinander ausspielen und so die Gagen nach oben treiben. Jetzt wollen sich die Direktoren auf Honorar-Grenzen einigen. „Wir wollen eine uferlose Preistreiberei verhindern“, sagt Rüdiger Otto, der Geschäftsführer des SCC Running, Veranstalter des Berlin-Marathons. „Wir wollen uns nicht erpressen lassen.“ Es werde schließlich immer schwerer, Sponsoren zu finden. „Andererseits lassen sich durch die neue Serie und deren Medienwirksamkeit die bisherigen Sponsoren besser darstellen“, erklärt Milde.

Und es geht schlicht auch darum, die sportliche Exklusivität der Top-Marathons zu wahren. Denn in Asien ist eine englische Bank, die mehrere asiatische Marathons unterstützt, schon dabei, eine eigene Grand-Slam-Serie aufzuziehen. Dabei wollte sie schon mal auf die Ergebnisse des Berlin-Marathons zurückgreifen. Und als dann auch noch eine andere Großbank Ähnliches versuchte, hatten die Veranstalter der Top-Marathons genug. „Da erst sind wir aufgewacht“, sagt Milde.

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