Sport : Die Fragen bleiben

Trauer und Ermittlungen: Football-Profi Darrent Williams von den Denver Broncos starb in einer Stretchlimousine im Kugelhagel

Christoph von Marschall[Washington]

Seine Gedenkseite im Internet ging kurz nach seinem Tod online. Viele Fans haben auf der „Memorial Site“ bereits ihre Trauer über den Tod des amerikanischen Football-Profis Darrent Williams von den Denver Broncos formuliert. Der 24-jährige Cornerback (Verteidiger mit besonderen Aufgaben) war am frühen Neujahrsmorgen in Denver während der Fahrt in einer gemieteten Stretchlimousine erschossen worden – nur wenige Stunden nachdem er mit seinem Football-Team den sicher geglaubten Einzug in die Playoffs nach einer völlig überraschenden Niederlage gegen die als schwächer geltenden San Francisco 49ers verpasst hatte.

„Wir alle sind nach dieser Tragödie am Boden zerstört“, sagte der Präsident der Broncos, Pat Bowlen, nachdem er vom Tod des Spielers in der Silvesternacht erfahren hatte. Am Montag gegen 2 Uhr Ortszeit waren mindesten zwölf Schüsse auf die weiße Langversion des Armee- Jeeps „Hummer“ aus einem vorbeifahrenden weißen Geländewagen mit verdunkelten Scheiben abgegeben worden. Williams wurde von einer Kugel in den Nacken getroffen und bei der Einlieferung ins Krankenhaus um 2 Uhr 30 für tot erklärt.

Ein Polizeisprecher sagte, zwei weitere Insassen der Limousine seien leicht verletzt worden. Aus Williams Wagen seien keine Schüsse abgegeben worden. Wie die „Denver Post“ berichtet, hatten noch weitere Passagiere in der Stretchlimousine gesessen, in der Platz für 23 Personen ist. Angeblich war auch Broncos- Spieler Javon Walker darunter.

Die Tat wurde nur wenige Blocks entfernt von dem Nachtklub verübt, in dem Williams zuvor gefeiert hatte. Dort soll es nach Polizeiinformationen einen Streit gegeben haben, an dem der später getötete Football-Profi aber „nicht direkt“ beteiligt gewesen sein soll. In dem Klub hatte Williams gemeinsam mit Kenyon Martin, einem Spieler der Basketballmannschaft Denver Nuggets, dessen Geburtstag und zugleich Silvester gefeiert. Martin und weitere Nuggets-Spieler hatten den Klub gegen Mitternacht verlassen. Bis dahin hatte es keine weiteren Zwischenfälle gegeben.

Williams ist bereits der dritte Spieler der National Football League (NFL) innerhalb von sechs Monaten, der erschossen wurde. Der farbige, unverheiratete Profispieler der Denver Broncos hinterlässt einen Sohn und eine Tochter, die bei ihrer Mutter in Texas leben. In der Spielpause der Profiliga wollte sich Williams um gefährdete Jugendliche in seiner Heimatstadt Forth Worth (Texas) kümmern, damit diese sich nicht mit Drogen und Kriminellen einlassen.

Bis gestern Abend gab es außer den Beschreibungen des Geländewagens und den Einschussspuren an Williams’ Fahrzeug keine Hinweise auf den oder die Täter. Ob die Frustration über die verpasste Playoff-Teilnahme der Broncos eine Rolle bei der Gewalttat spielte, blieb unklar.

Nutznießer der Niederlage der Broncos in ihrem letzten Saisonspiel waren die Kansas City Chiefs. Sie kamen, wie die „New York Times“ vor der tragischen Entwicklung amüsiert vermerkt hatte, nur weiter, weil mehrere Wunder zusammentrafen, was bekanntermaßen selten vorkomme. Deshalb müsse wohl ihr kürzlich verstorbener Teamgründer Lamar Hunt vom Himmel aus die Hand im Spiel gehabt haben.

Zuerst gewann Kansas überraschend gegen Jacksonville. Zwei weitere Spiele endeten entgegen den Erwartungen, was Kansas die Chance zum Einzug in die nächste Runde eröffnete. Und dann verlor Denver – das die Playoffs bereits sicher glaubte, weil selbst ein Unentschieden gereicht hätte – durch einen Fernschuss der 49ers in der Verlängerung. In Denver ließen sich Spannungen bereits am Silvesternachmittag mit Händen greifen. Dann nahmen die dramatischen Ereignisse in der Neujahrsnacht ihren Lauf.

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