Sport : Die Frankfurt Skyliners sind für den Basketball-Meister mehr als ein Testgegner

Dietmar Wenck

"Wir haben uns vorbereitet wie auf ein Europaligaspiel." Die Worte von Alba Berlins Trainer Svetislav Pesic sagen eine Menge über den heutigen Gegner des Deutschen Basketball-Meisters, die Frankfurt Skyliners. Manche haben etwas verächtlich von einem Retorten-Team gesprochen, als die Saison begann - die Skyliners haben die Bundesliga-Lizenz des vorjährigen Meisterschafts-Dritten TV Rhöndorf übernommen. Sie sind neu in der Stadt, sie haben eine fast komplett neue Mannschaft zusammengestellt, aber sie müssen ganz gut sein. Frankfurt hat wie Alba noch kein Bundesligaspiel verloren und im europäischen Saporta-Cup schon zwei Mal gewonnen. "Und zwar auswärts", sagt Pesic, "das verlangt Respekt."

Auch Bundestrainer Henrik Dettmann sah die Skyliners zwei Mal und ist angetan: "Ich bin positiv überrascht. Der ganze Verein arbeitet sehr professionell. Und die neue Mannschaft spielt im neuen Umfeld sehr gut zusammen." Dem Skyliners-Manager Gunnar Wöbke, der den Umzug aus der Bonner Vorstadt Rhöndorf nach Hessen mitmachte, müssten die Ohren klingen bei so viel Lob. Aber er ist vorsichtig. Nein, er glaube nicht, dass die Frankfurter Ballsporthalle voll sein werde. "Ich wäre überrascht", meint er. Gegen Hagen kamen 3500 Zuschauer, im Europacup gegen Wilnius 1800. Auch mit seiner sportlichen Prognose hält Wöbke sich zurück vor dem Vergleich Spitzenreiter gegen Tabellenzweiter: "Es kommt der erfolgreichste deutsche Coach, die Mannschaft mit dem größten Potenzial in der Liga. Alba ist für mich haushoher Favorit."

Für beide Teams ist die Begegnung die erste echte Standortbestimmung in der Liga. Beide hatten noch keinen der vermeintlich schweren Gegner Bonn, Trier oder Leverkusen. "Wir müssen mit voller Kraft zur Sache gehen", erwartet Pesic. Wie früher die Rhöndorfer, so haben nun auch die Frankfurter ein sehr ausgeglichenes Team. Es reicht nicht, sich auf ein, zwei Spieler zu konzentrieren, den US-Amerikaner Collier oder den Kroaten Kelecevic. Auch die Spielmacher Nürnberger und Roller, die Flügel Guarasci und Grey, der Center Vianini sind zumindest solide Bundesligaspieler. Fehlen wird den Skyliners ausgerechnet der Ex-Berliner Alexander Frisch, der wegen eines Bandscheibenvorfalls lange Zeit ausfällt.

Alba Berlin ist dagegen wieder komplett. Auch Frankie King trainiert nach seiner schweren Grippe seit Dienstag wieder mit, aber fünf Tage mit Fieber haben ihn zurückgeworfen. "Er hat viel Kraft verloren", sagt Pesic, "es war eine sehr, sehr harte Woche für ihn." Noch härtere Wochen werden folgen, nicht allein für King. Bis Ende November hat Alba in jeder Woche mindestens zwei Spiele zu absolvieren. Am Mittwoch kommt Zalgiris Kaunas nach Berlin, der Europameister der Vereine. "Auch im Hinblick auf dieses Spiel ist Frankfurt ein guter Gegner für uns", glaubt Alba-Manager Carsten Kerner. Aber diesmal meint er nicht: ein guter Testgegner.

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