Sport : Die Franzi des Volleyballs

Die deutschen Frauen haben trotz Niederlagen wieder einen Star: Angelina Grün begeistert auf dem Feld und im Internet

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Von Helen Ruwald

Riesa. Als die unerwartete Niederlage gegen die Niederlande perfekt war, lächelte Angelina Grün. Ihre niedergeschlagenen Mannschaftskolleginnen waren längst in der Umkleidekabine verschwunden, als die Starspielerin der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft am Freitagabend immer noch in der Gasag-Arena von Riesa stand. „Cheese", riefen ihr kichernde Mädchen der 5. Mittelschule Weißwasser zu, so wie man es macht, wenn man die Mutter im Urlaub vor dem Colloseum oder dem Eiffelturm platziert.

Doch in diesem Fall war sie die Sehenswürdigkeit, und die Mädchen, selbst Volleyballerinnen, drängten sich, mit ihr fotografiert zu werden. Die 22-jährige Außenangreiferin ließ alles über sich ergehen und kritzelte ihren n geduldig auf Mäppchen und Blöcke. Dabei war Grün „sauer auf uns, weil wir nicht das gespielt haben, was wir können". Nach dem 0:3 am Samstag gegen Brasilien war auch ihr das Lächeln vergangen. So als sei sie geistig in einer anderen Welt, hockte sie auf dem Boden und dehnte sich.

Als 18-Jährige spielte sich Angelina Grün bei der WM in Japan, ihrem ersten großen Turnier, in die Stammsechs. Deutschland scheiterte in der Vorrunde, doch für Grün war es der Durchbruch. Jetzt, mit 22, hat sie mehr Verantwortung. In wichtigen Phasen ist sie es, die die Bälle zugespielt bekommt, sie soll die entscheidenden Punkte machen – oft gelingt ihr das auch. Bis Freitagabend führte sie die Scorerliste mit 119 Punkten an. Keine andere WM-Teilnehmerin war besser.

Gegen Holland steuerte sie 22 Punkte bei, gegen Brasilien nur 13, wenig für sie. Sie sollte die Mannschaft zum Sieg führen, aber in der Zwischenrunde, „wo wir mental nicht stark genug waren und immer wieder eingebrochen sind", schaffte sie es nicht. Starken Phasen folgten schwache. „Bei ihrem Klub in Italien wird sie von Spitzenspielerinnen geführt", sagt Werner von Moltke, der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbands, „aber hier ist sie noch überfordert, den Karren aus dem Dreck zu führen."

Grün, die in Tadschikistan geboren wurde und als Kind mit ihren Eltern nach Deutschland kam, spielte bis vor einem Jahr in der Bundesliga für den USC Münster, ehe sie in Italien bei Volley Modena Profi wurde. Die Bundesliga „war keine Herausforderung mehr für mich" – eine sehr selbstbewusste Aussage. Doch sie bewies ihre Klasse in der starken italienischen Liga und gewann den italienischen Pokal und den Europacup.

Auch neben dem Feld setzt sie sich durch, ist schlagfertig und – in einer Randsportart wie Volleyball noch wichtiger als anderswo – fotogen. Ein Fan namens „Lausimausi" schreibt im Gästebuch auf der Homepage der WM ( www.volleyball2002.de ): „Angelina Grün ist mit Abstand das Geilste, das im deutschen Team zu sehen ist." Der Verehrer bittet um Tipps, wo Bilder von Grün zu bekommen sind, und endet mit den Worten: „Angelina, ich bin dir verfallen.“ Solche Worte würde Werner von Moltke, der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbands, natürlich nie wählen. Aber begeistert ist auch er von der besten deutschen Spielerin. Zu einer „Franzi van Almsick des Volleyballs" würde er sie gern machen, wie die „Welt am Sonntag" berichtete, „von ihrer Frechheit und Schlagfertigkeit hat sie am ehesten das Zeug dazu – der fällt immer was ein".

Pünktlich zur WM hat Angelina Grün ihre eigene Homepage ( www.angelinagruen.de ) ins Netz gestellt. Eine Fotostrecke ist zu sehen: Grün jubelnd. Grün beim Angriff. Grün sexy: ärmelloses Top, Haare im Gesicht, Blick zur Seite. Weiterklicken kann man nicht. Lapidar ist vermerkt: „Seite befindet sich im Aufbau." So wie die deutsche Mannschaft.

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