Sport : Die Freude der Verlierer

Alba sucht das Positive an der Europaliga-Niederlage

Benedikt Voigt

Berlin. Mit einem Grinsen nahm Marco Baldi das Lob des Basketball-Bundestrainers entgegen. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, gibt es keine Probleme“, sagte Henrik Dettmann und lachte. Der Bundestrainer traf die Stimmung des Vizepräsidenten von Alba Berlin. „Ich fühle mich heute 1000-mal besser als nach dem Spiel gegen Istanbul“, hatte Baldi gesagt. Ein wenig pathetisch fügte er hinzu: „Ich habe heute Alba Berlin gesehen.“

Feiert der Deutsche Basketball-Meister jetzt schon die Niederlagen? Nach dem 75:78 gegen Benetton Treviso vor 4799 Zuschauern wartet Alba weiter auf den ersten Erfolg in Europa. Am Mittwoch wird es bei AEK Athen zum Treffen der beiden sieglosen Teams der Gruppe A kommen. Marco Pesic glaubt, dass dies der Tag sein wird, an dem sein Team gewinnt. „Wir werden von Spiel zu Spiel besser“, sagte der Flügelspieler.

Tatsächlich haben sich die Berliner nicht viel vorzuwerfen: eine schwache Freiwurfquote gegen Spielende, einige falsche Entscheidungen im Angriff im letzten Viertel, eine schwache Quote bei den Dreipunktewürfen (12 Prozent). Außerdem gelang es Alba nicht, den mit jeweils vier Fouls belasteten italienischen Centerspielern Jorge Garbajosa und Denis Marconato frühzeitig das fünfte Foul anzuhängen. „Das haben wir in der kritischen Phase nicht ausgenutzt“, bemängelte Trainer Emir Mutapcic, „und wir haben den Rhythmuswechsel nicht gut genug gemacht.“ Für die richtige Mischung von Schnellangriffen und ruhigem Positionsangriff sind die Aufbauspieler DeJuan Collins (11 Punkte), Mithat Demirel (3 Punkte) und Marko Pesic (21 Punkte) verantwortlich.

Treviso musste auf seinen grippekranken Star Tyus Edney verzichten, doch Alba konnte das gegen den Mitfavoriten auf den Euroleague-Titel nicht nutzen. Trotzdem überwiegt das Positive. „Es fehlen nur noch Kleinigkeiten“, sagte Baldi. Die Mannschaft, die vier Zugänge integrieren musste, findet zusammen. Auch in der letzten Spielminute hatte sie noch die Chance, das Spiel zu gewinnen. Pesic vergab beim Stand von 70:71 die Möglichkeit zum Ausgleich. Jovo Stanojevic (16 Punkte, 4 Rebounds) und Stefano Garris (7 Punkte, 7 Rebounds) hatten ihr Team drei Minuten vor dem Ende noch einmal 67:66 in Führung gebracht. Die Schiedsrichter verfolgten eine strenge Linie und pfiffen insgesamt 62 Fouls. Damit brachten sie das Berliner Publikum gegen sich auf. Doch Marko Pesic sagte: „Die Schiedsrichter sind nicht schuld daran, dass wir verloren haben.“

Am Sonntag empfangen die Berliner Leverkusen in der Bundesliga. Dort ist man noch ungeschlagen. Ist Alba zu stark für die Bundesliga und zu schwach für die Europaliga? „Quatsch“, sagt der Vizepräsident, „beides stimmt nicht.“ Das habe man gegen Treviso gesehen. Doch eines weiß Baldi auch. „Wir müssen in der Europaliga langsam gewinnen – sonst gehen uns die Argumente aus.“

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