Sport : Die Freude der Verlierer

Trotz des 1:3 in Eindhoven jubelt der AC Mailand. Der Klub trifft nun im Finale der Champions League am 25. Mai auf Liverpool

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London/Eindhoven – Am Schluss hatten auch die Verlierer etwas zu feiern. So unterschrieb José Mourinho nur wenige Stunden nach dem Ausscheiden im Halbfinale der Champions League gegen den FC Liverpool einen neuen Fünfjahresvertrag beim FC Chelsea. Medienberichten zufolge soll der umstrittene Trainer je nach Erfolg bis zu 12 Millionen Euro pro Jahr verdienen können. Noch mehr als Mourinho aber jubelten die Spieler und Verantwortlichen des AC Mailand. Sie hatten im Halbfinale beim PSV Eindhoven 1:3 verloren – und durften sich dennoch dank des 2:0 im Hinspiel über den Einzug ins Finale freuen. Erst in der Nachspielzeit hatte Massimo Ambrosini den entscheidenden Auswärtstreffer für Mailand erzielt.

Allerdings fiel die Freude der Mailänder verhalten aus. Während die Spieler des PSV Eindhoven noch Ehrenrunden liefen, saßen die Gäste bereits in der Kabine. „Wir haben es eigentlich nicht verdient“, sagte AC Mailands Clarence Seedorf. Und Eindhovens Trainer Guus Hiddink sagte nach dem unglücklichen Ausscheiden: „Es fällt mir schwer, dem AC Mailand Respekt zu zollen.“ Immerhin kommt es nun am 25. Mai in Istanbul zu einem Finale zweier renommierter EuropapokalTeilnehmer. Insgesamt haben beide Klubs 15 internationale Titel gesammelt, nun treffen sie erstmals direkt aufeinander. Liverpool steht erstmals seit der Tragödie im Brüsseler Heysel-Stadion vor 20 Jahren wieder in einem Endspiel.

Auf Mailänder Seite könnte Kapitän Paolo Maldini zum siebten Mal in einem Endspiel des wichtigsten Europapokal-Wettbewerbes stehen. Bei den Finalspielen 1989, 1990, 1993 bis 1995 und 2003 spielte der 36-Jährige jeweils bereits im Mailänder Trikot. In der Halbzeit des Halbfinalspiels musste er jedoch ins Krankenhaus eingeliefert werden. Eindhovens Stürmer Jan Venegoor of Hesselink hatte ihn bei einem Seitfallzieher am Nacken getroffen. Die für sein Team positive Entwicklung der Partie in den letzten Minuten hatte er gar nicht mehr mitbekommen. Nach Treffern von Ji-Sung Park und Philip Cocu durfte Eindhoven ab Mitte der zweiten Halbzeit auf die Verlängerung hoffen. Doch der Gegentreffer von Ambrosini in der ersten Minute der Nachspielzeit entschied das Duell, da half Eindhoven auch Cocus Treffer in der zweiten Minute der Nachspielzeit nichts mehr. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagte Eindhovens Kapitän Mark von Bommel, „wir waren über 180 Minuten die bessere Mannschaft und stehen jetzt mit leeren Händen da.“

So ähnlich hörte sich auch José Mourinhos Einschätzung nach dem 0:1 in Liverpool an: „Die beste Mannschaft hat verloren.“ Allerdings war es seinem Team in 180 Minuten nicht gelungen, ein Tor gegen Liverpools eindrucksvolle Defensive zu erzielen. Die Frage ist allerdings auch, ob es Liverpools Offensive überhaupt gelungen ist, ein Tor zu erzielen. Auch die Fernsehbilder konnten nicht zeigen, ob der Schuss von Luis Garcia in der 4. Minute die Torlinie überschritten hat - oder nicht. „Dieser Treffer wird neben Geoff Hursts Schuss im WM-Finale von 1966 das meistdiskutierte der englischen Fußballgeschichte“, schrieb die Boulevardzeitung „Sun“. Mourinho fühlt sich um den Erfolg gebracht: „Das Tor schoss der Linienrichter.“ Liverpools Trainer Rafael Benitez sieht die Situation anders. „Selbst wenn es kein Tor war, dann hätte es einen Elfmeter für unser Team und eine Rote Karte für Chelseas Torwart geben müssen.“

Noch ist unklar, ob Liverpool, falls es das Finale gewinnen sollte, im nächsten Jahr in der Champions League starten darf. Erstmals ist der Titelverteidiger in der Saison 05/06 nicht mehr automatisch gesetzt, in der Liga dürfte Rang vier für Liverpool nicht mehr zu erreichen sein. Uefa-Chef Johannson hatte zwar eine mögliche Ausnahme in Aussicht gestellt, ein Sprecher der Uefa sagte allerdings gestern, dass es in dieser Saison keine Ausnahme mehr geben könne. Tsp

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