Sport : Die Freude nach der Stille

Der 1. FC Union verwandelt gegen Aachen einen Rückstand in einen 2:1-Sieg und verlässt die Abstiegsplätze

André Görke

Berlin . Als sich der Schock gelegt hatte, galt der Blick irritiert der Uhr. Montagabend, exakt 20.22 Uhr, sieben Minuten sind im Stadion an der Alten Försterei gespielt, und schon wieder soll der 1. FC Union so früh 0:1 zurückliegen? Im Stadion herrscht für einen Moment Stille. Ivica Grlic, der Fußballprofi des Zweitligisten Alemannia Aachen, hatte einen Eckball von der linken Seite in den Strafraum der Berliner getreten. Halbhoch, eigentlich kein Problem. Doch dann setzte der Ball auf und flutschte neben Unions Torhüter Robert Wulnikowski ins Tor. 0:1. Schon wieder.

Es wurde ein aufregender Abend für die 5213 Fans des 1. FC Union. Nach einer Stunde glich Steffen Baumgart zum 1:1 aus, und zwei Minuten vor dem Ende beförderte Tom Persich den Ball sogar noch per Kopf zum 2:1 ins Tor. Es war der Endstand, und der peinliche Beginn war vergessen. Unions Trainer Mirko Votava stand jubelnd an der Seitenlinie, riss die Arme hoch – und alle nahmen den Torhüter Robert Wulnikowski in den Arm.

Natürlich überwiegt jetzt die Freude, nach dem 1:0-Sieg gegen Bielefeld vor einer Woche einen weiteren Spitzenklub geschlagen zu haben. Und trotzdem: Die Torwartdiskussion könnte wieder geführt werden. Bereits gegen Leverkusen im DFB-Pokal hatte sich Wulnikowski einen schweren Patzer erlaubt. Das wusste der Torhüter wohl gestern auch. Nach dem Gegentor reagierte er erbost, schrie seinen Kollegen Chibuike Okeke an, weil der ihm die Sicht versperrt hatte. Mehr noch ärgerte er sich, als sein Kollege Thomas Sobotzik eine Minute später die Chance zum Ausgleich sträflich vergab. Sobotzik war durch den Aachener Strafraum gedribbelt und von Alexander Klitzpera gefoult worden. Sobotzik trat selbst zum Elfmeter an, schlenderte überaus lässig zum Ball – und schob ihn rechts neben das Aachener Tor. Unions Torhüter Wulnikowski drehte sich aus sicherer Entfernung enttäuscht ab.

Unions Trainer Mirko Votava schimpfte da noch an der Seitenlinie. Für ihn war der gestrige Abend so etwas wie ein Jubiläum. Am 8. November vergangenen Jahres hatte er seinen Job beim 1. FC Union angetreten, damals verlor die Mannschaft zur Premiere 0:3 – in Aachen. Votava hoffte auf die Revanche. Dass Aachen ein unangenehmer Gegner sein würde, wusste er. Die letzten fünf Spiele hat die Alemannia gewonnen und in der vergangenen Woche den Erstligisten 1860 München aus dem DFB-Pokal geworfen.

Und trotzdem überzeugte seine Mannschaft, wenn auch erst am Schluss . Wenn sie schon nicht guten Fußball zeigt, so kann sie doch gut kämpfen. Die Aachener kamen selten dazu, ihr Kombinationsspiel aufzuziehen. Auf der anderen Seite brauchte sich Aachens Torhüter Stephan Straub eine Stunde lang nicht um viel mehr als zwei, drei Distanzschüsse zu kümmern. Dann aber wurde es gefährlich. Union drückte und drückte – und schoss zwei Tore. Schließlich hatte sogar noch Wulnikowski seinen großen Auftritt. In der letzten Minute hielt er einen scharfen Schuss von Karl-Heinz Pflipsen.

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