Sport : Die Freude nach Zittau

Dynamo Dresden und Union Berlin verbindet eine alte Rivalität – dabei gibt es auch Gemeinsamkeiten

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Schrei nach Toren. Halil Savran hofft heute bei Dynamo Dresden auf seinen ersten Saisoneinsatz für Union. Foto: dpa Foto: picture alliance / dpa
Schrei nach Toren. Halil Savran hofft heute bei Dynamo Dresden auf seinen ersten Saisoneinsatz für Union. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Mitten in die Euphorie nach dem ersten Saisonsieg mischte sich Vorfreude. Und so stimmten die Fans des 1. FC Union nach dem 3:0 gegen Paderborn einen ihrer Schmähgesänge an, der gleichzeitig ein Hinweis auf den kommenden Gegner war: „Scheiß Dynamo“ hallte es von den Tribünen der Alten Försterei.

Heute tritt der 1. FC Union bei Dynamo Dresden an (18 Uhr, live bei Sky). Es gibt kaum ein Duell in der Zweiten Fußball-Bundesliga, auf das sich die Anhänger der Berliner mehr freuen. Die Rivalität zwischen beiden Klubs ist groß, dabei sind sie sich in vielen Punkten ähnlicher, als mancher Fan es wahrhaben will. Die gegenseitige Abneigung rührt bereits aus DDR-Zeiten. Damals gehörte Dresden neben dem BFC Dynamo, Magdeburg und Jena zu den stärksten Mannschaften des Landes, während Union stets zwischen erstklassiger Ober- und zweitklassiger DDR-Liga pendelte. Gleichauf lagen beide Klubs nur in der Gunst der Zuschauer. Union und Dynamo waren seit jeher Zuschauermagnete. Daran änderte sich auch nichts, als beide Vereine nach dem Fall der Mauer im Chaos versanken. Es gab Probleme mit der Lizenz und der Liquidität sowieso. Mehr als einmal standen Union und Dynamo vor der Pleite, sich an die neuen Zeiten zu gewöhnen fiel beiden schwer. Zum gemeinsamen Feindbild wurde in dieser Zeit der Deutsche Fußball Bund, der den Klubs nach dem Gefühl ihrer Anhänger harte Strafen auferlegte und sie im Gegensatz zu Teams aus der alten Bundesrepublik vermeintlich benachteiligte. Zeitweise stürzten die Traditionsvereine bis in die unterklassige Oberliga ab. Unter dem sportlichen Niedergang litt das Interesse aber nicht, die Leute strömten weiterhin ins Stadion – trotz Gegnern wie Eberswalde oder Zittau. Die Begeisterung hat alle Krisen überlebt, und so ist auch das Spiel heute in der Dresdener Arena so gut wie ausverkauft.

„Was den Fußball angeht, weisen beide Fankulturen eine ähnliche Verrücktheit auf“, sagt Halil Savran. Der Stürmer wechselte im vergangenen Sommer zum 1. FC Union, davor hatte er zwei Jahre für Dynamo gespielt und es bis zum Kapitän der Dresdener gebracht. Ob Savran heute vor den alten Fans auflaufen darf, ist ungewiss. In dieser Saison stand er noch keine Minute auf dem Platz, in Unions Stürmerhierarchie findet sich Savran aktuell hinter Silvio, Simon Terodde und John Jairo Mosquera nur auf Rang vier wieder. Weil sich aber Neuzugang Silvio unter der Woche mit Problemen am Sprunggelenk herumschlagen musste, sind Savrans Chancen auf den ersten Einsatz zumindest ein bisschen gestiegen. „Vielleicht bringe ich Savran“, sagte Unions Trainer Uwe Neuhaus in der Hoffnung, dass dieser gegen sein altes Team zu besonderer Form aufläuft.

Ebenfalls vor seinem ersten Punktspiel in dieser Saison steht Jan Glinker. Unions Torhüter konnte in den vergangenen Tagen nach seiner Schulterverletzung erstmals wieder trainieren und würde für Kilian Pruschke ins Tor rücken. Pruschke hatte die verletzten Marcel Höttecke und Jan Glinker gegen Paderborn zuletzt fehlerfrei vertreten. Uwe Neuhaus sagte aber: „Wenn Jan fit wird, spielt er auch.“ Ansonsten kann Neuhaus seine bestmögliche Elf aufbieten, alle Spieler sind fit.

Die Vorzeichen könnten also kaum besser sein. Unions Fans werden das mit Freude vernommen haben.

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