Sport : Die Früchte der Wüste

Seit ihrem Umzug in die USA spielt Anna-Lena Grönefeld erfolgreicher Tennis

Alexander Hofmann[Melbourne]

Auch in der Wüste kann man aufblühen. Anna-Lena Grönefeld hatte sich im April 2003 aus der beschaulichen norddeutschen Tiefebene auf den Weg nach Phoenix im heißen US-Bundesstaat Arizona gemacht, um vom beachteten Talent zum hervorragenden Profi zu reifen. Der Umzug von Nordhorn an der niederländischen Grenze ins „Valley of the Sun“ scheint sich nun auszuzahlen: Am Mittwoch zog Grönefeld bei den Australian Open durch ein 6:2, 7:6 über die Vorjahres-Halbfinalistin Fabiola Zuluaga aus Kolumbien erstmals in die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers ein.

In der Runde der letzten 32 trifft die 19-Jährige auf Vera Duschewina, die überraschend die an Nummer neun gesetzte Jelena Zwonarewa 6:3, 6:3 bezwang. Die Russin war 2003 ihre Gegnerin, als sie den Junioren-Titel der French Open gewann; erst in der vergangenen Woche hat die Deutsche ihre frühere Juniorenkollegin beim Turnier in Canberra erneut besiegt. Es besteht also die berechtigte Chance, dass die Australian Open für Grönefeld noch ein wenig weitergehen.

„Mir geht’s gut“, sagte Grönefeld nach ihrem Sieg über Zuluaga. Der Erfolg sei die „Frucht von viel Arbeit“, setzte sie hinzu, um gleich zu beschreiben, wie diese Arbeit im Einzelnen aussieht: „Früh aufstehen, dann Fitness-Training, anschließend Tennis-Drills, gefolgt von einer Pause und einem Treffen mit einem Sportpsychologen.“ Am Nachmittag warten noch einmal Fitness- und Tennistraining auf sie, sechs Stunden kämen da mühelos zusammen, am Abend sind oft noch Massagen fällig.

Heimweh hat Grönefeld nur selten. Der große Schritt sei ihr relativ leicht gefallen, auch wenn es durchaus Dinge gibt, die ihr fehlen. Zum Beispiel, mit dem Fahrrad mal schnell in die Stadt fahren, denn „in den USA kommt man ohne Auto nirgendwohin“, und anständiges Brot – „da gibt es nur dieses Weißbrot“. Aber schließlich ist sie weder zum Radeln noch zum Schwarzbrotessen in die USA gegangen.

Der Umzug vollzog sich überraschend schnell, nachdem sie vor zwei Jahren bei einem kleinen Turnier in Phoenix von ihrem jetzigen Trainer Rafael Font de Mora erspäht worden war. Finanziert von einem Sponsor, dem Deutschen Tennis Bund (DTB) und dem niedersächsischen Tennisverband, ließ sie sich schon drei Wochen später in den USA nieder, um am „Athletics Performance Institute“ ihre Arbeit aufzunehmen. Sie wohnt bei einer Gastfamilie, den Kontakt zu ihren Eltern und Freunden erhält sie per E-Mail und Telefon aufrecht.

„Trainingsfleißig“, nennt sich Grönefeld selbst, manchmal sei es zwar hart, „aber am Abend fühlt man sich dann gut“. Im vergangenen Jahr hat sie sich in der Weltrangliste vom 120. auf den 75. Platz verbessert, auch wenn sie Rückschläge einstecken musste. Der schlimmste war wohl die 9:11-Niederlage im dritten Satz gegen Tatjana Perebiynis im Fedcup-Relegationsspiel gegen die Ukraine, durch die das deutsche Team in die Drittklassigkeit abrutschte. Trotzdem glaubt die neue Fedcup-Chefin Barbara Rittner: „Anna-Lena kann eine Führungsspielerin werden.“ Und ihre mögliche zukünftige Spitzenspielerin hat sich selbst viel vorgenommen. „So um die Position 100 mitzuspielen“, sei ihre Sache nicht, hatte Grönefeld schon erklärt, als sie noch nicht einmal unter den besten 500 Profis zu finden war. Dann wolle sie lieber aufhören und studieren. Es scheint, als werde die Universität noch warten müssen.

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