Sport : Die Gala vom Prenzlauer Berg

Mit einer großartigen Leistung im zweiten Spiel gegen Haching rehabilitieren sich die BR Volleys für ihren schwachen Auftritt zum Auftakt der Finalserie.

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Berlin - Martin Krystof lag benommen auf dem Hallenboden, ein Helfer hastete mit einem Eisbeutel zu dem Libero der BR Volleys. Krystof hatte gerade einen hart geschlagenen Ball ins Gesicht bekommen, danach sank er langsam zu Boden. Auf den Videowänden der Berliner Max-Schmeling-Halle leuchtete der aktuelle Spielstand auf: 1:1 im dritten Satz, die ersten beiden Sätze hatten die BR Volleys gegen Haching schon gewonnen. Martin Krystof rappelte sich wieder hoch und schüttelte kurz den Kopf.

Eine Minute später glänzte er mit einer überragenden Feldabwehr.

Es ist eine dieser Szenen, die alles über den Erfolg der BR Volleys am Dienstagabend sagt. 3:0 (25:16, 25:13, 25:23) besiegten die Berliner Volleyballer ihren Gegner im zweiten Finalspiel, phasenweise sah es sogar aus, als würden die Volleys den Kontrahenten, diese Mannschaft, die in der Hauptrunde die Liga beherrscht hatte, vor 6385 Zuschauern auseinandernehmen.

Der Hachinger Trainer Mihai Paduretu blickte noch zehn Minuten nach dem entscheidenden Matchball wie versteinert in die Halle. Er hatte seine Spieler vor einem regelrechten Sturm in der Halle in Prenzlauer Berg gewarnt. Der Rumäne hatte dabei allerdings mehr an die Fans und deren Party-Stimmung gedacht. Dass auch die Volleys selbst seinem Team mit Urgewalt zusetzen würden, damit hatte er nicht gerechnet.

Dieser Auftritt hatte eine Vorgeschichte. Die Vorgeschichte war die miserable 0:3-Niederlage in Haching am vergangenen Samstag. Die Volleys hatten etwas gutzumachen, sie wollten etwas gutmachen. Dieser ganze Trotz, dieser enorme Siegeswille, dieses Gefühl, etwas Besonderes leisten zu wollen, den beschrieb Mittelblocker Felix Fischer. „Wir wollten den Hachingern immer das Gefühl geben: Hey, egal, wie ihr Euch anstrengt, in Berlin werdet ihr heute keinen Satz gewinnen!“

Symbolisch für diese Einstellung stand Martin Krystof. Er plagt sich mit einer alten Oberschenkelverletzung, er hatte am Samstag durchgehalten, obwohl er mitten im Spiel minutenlang mit Schmerzen auf dem Boden gelegen hatte. Und am Dienstag wieder eine Energieleistung. „Man hätte mal sehen müssen, wie der am Sonntagmorgen gehumpelt ist“, sagte Volleys-Manager Kaweh Niroomand. Er hatte „damit gerechnet, dass wir gewinnen“, aber dass dieser Erfolg so deutlich ausfallen würde, das hatte er nicht erwartet.

Vor allem nicht, als er Minuten vor dem Anpfiff erfuhr, dass Zuspieler Kawika Shoji umgeknickt war und deshalb nicht spielen konnte. Also sprang Jaroslav Skach ein, der 36 Jahre alte Routinier, der später sagte: „Ich war überhaupt nicht nervös. Schließlich bin ich lange genug dabei, um zu wissen, was in einem Spiel auf diesem Niveau nötig ist.“ Mit mehreren schnellen Querpässen auf Fischer hebelte er den Hachinger Mittelblock immer wieder aus. Die Volleys machten so viel Druck, dass Haching nie zu seinem Spiel fand. Im dritten Satz leistete sich die Mannschaft von Paduretu gleich serienweise Aufgabefehler. „Jetzt wissen wir, warum Friedrichshafen gegen Berlin ausgeschieden ist“, sagte Hachings Kapitän Max Günthör ernüchtert.

Paul Carroll, immer noch wegen seiner Schulterverletzung angeschlagen, punktete zuverlässig, Außenangreifer Roko Sikiric lieferte ein überragendes Spiel, Felix Fischer überzeugte im Angriff und im Block, Tomas Kmet zeigte eine starke Leistung im Block, auch Scott Touzinsky hämmerte trotz seiner Meniskusverletzung den Ball bei Aufgaben so hart ins Feld, dass Haching große Mühe mit der Annahme hatte. Dieser Erfolg war der Sieg eines grandiosen Teamgeistes. Diese Mannschaft spielte nicht bloß für sich, sondern demonstrativer als je zuvor für die Fans. Und die Fans dankten es mit einer grandiosen Geräuschkulisse. „Den Anteil, den die Zuschauer an unserem Sieg haben“, sagte Niroomand, „den kann man in Prozenten gar nicht ausdrücken.“

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