Sport : Die gekauften Sieger

Wie Schalkes Manager Rudi Assauer auf die Enttäuschung von 2001 reagiert hat

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Wer einen Fan des FC Schalke 04 leiden sehen will, muss nur die Namen HSV, Merk und Andersson erwähnen. Dann denkt jeder Schalker an den 19. Mai 2001, an das Spiel des FC Bayern München in Hamburg, den zweifelhaften Freistoß, den Schiedsrichter Markus Merk in der Nachspielzeit gab und den Patrik Andersson zum 1:1 verwandelte. Schalke feierte sich bereits als Meister, Bayern wurde es. Dass die Münchner überhaupt noch eine letzte Chance erhielten, hat jedoch vor allem mit den Ereignissen eine Woche zuvor zu tun. Schalkes Manager Rudi Assauer erinnert sich noch genau an den 12. Mai vor vier Jahren: „Wir bekommen nach einem dusseligen Fehler das 0:1, und in München schießt Zickler den Ball aus achtzehn Metern unter die Latte. Normalerweise fallen beide Tore nicht.“

Fast hat es den Anschein, als liefe vor Assauers Auge noch einmal ein Zusammenschnitt jener Schlussphase ab. In Stuttgart erzielt Balakow in der 90. Minute den Siegtreffer für den VfB; zugleich fällt in München das 2:1 der Bayern gegen Kaiserslautern. Es ist der Anfang vom Ende der Gelsenkirchener Meisterschaftsträume. Aus Schalker Sicht ist Stuttgart eine Art Symbol geworden für den verspielten Titel, auch wenn die Meisterschaft letztlich erst eine Woche später entschieden wurde. In jener Zeit zelebrierte Schalke den schönsten Fußball der Liga, aber es fehlten die Siegertypen, die in heikler Lage der Angst vor der eigenen Courage entgegentraten.

An diesem Wochenende, vier Jahre später, spielen die Schalker wieder gegen Stuttgart, und wieder streiten sie mit den Bayern um die Meisterschaft – auch weil sie auf dem Transfermarkt mehr riskieren als je zuvor. Assauer wagt sich nun an Vereine und Spieler heran, die sich bereits auf einem Niveau profiliert haben, das die Gelsenkirchener so bald wie möglich erreichen wollen. Erst haben sie sich Werder Bremen vorgenommen und von dort einige der besten Spieler abgeworben: Torhüter Rost, Stürmerstar Ailton und Verteidiger Krstajic kamen von Werder ins Ruhrgebiet; Mittelfeldspieler Fabian Ernst wird ihnen im Sommer folgen.

Seitdem ist der frühere Werder-Manager Assauer in Bremen kein besonders gern gesehener Gast mehr. Ähnlich ergeht es ihm in Stuttgart. Auch hier ist Assauer zur Reizfigur geworden, seitdem er Marcelo Bordon abgeworben und zwei deutsche Nationalspieler des VfB auf die Wunschliste gesetzt hat: Stürmer Kevin Kuranyi und, wenn auch mit geringerer Priorität, Andreas Hinkel. Bordon war den Schalkern vor dieser Saison vier Millionen Euro Ablöse wert, und das Geld scheint gut angelegt. Der Brasilianer zählt zu den Triebkräften des jüngsten Aufschwungs, er bringt das mit, was dem Team vor vier Jahren im Kampf gegen die erfahrenen Bayern noch fehlte. „Die Mannschaft hat einen neuen Leader“, sagt Assauer, der Fremdwörter sonst meidet.

Der nächste Kandidat aus Stuttgart heißt Kevin Kuranyi. Insofern ist die Begegnung mit dem VfB auch ein Spiel um Kuranyi. Es ist kein Geheimnis, dass dessen Vertrag eine Klausel enthält, die ihm einen Wechsel erlaubt, wenn der VfB in der Bundesliga nicht mindestens Zweiter wird. Für Assauer wäre eine Verpflichtung nicht nur die Gelegenheit, die eigene Mannschaft zu stärken, sondern zugleich die Konkurrenz zu schwächen. Die Bayern arbeiten seit Jahrzehnten nach diesem Prinzip. Bei Werder Bremen ist es Assauer schon gelungen. Der Meister hat keine Chance mehr, den Titel erfolgreich zu verteidigen.

Mit jedem erfolgreichen Abwerbungsversuch macht sich Rudi Assauer bei der Konkurrenz unbeliebter. Aber dadurch lässt er sich nicht einschüchtern. Assauer hat sein Ziel fest im Blick. Er will mit Schalke Deutscher Meister werden. Wer ihm dabei in die Quere kommt, ist ihm egal. Hauptsache, er bekommt, wen und was er will.

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