Sport : Die Geläuterten

In 18 Tagen durch die Liga (4) – wie die Bundesliga-Klubs aufgestellt sind. Heute: Bayer Leverkusen

Erik Eggers

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August. Bis zum Start beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen? Na, wer wohl? Immer noch Reiner Calmund, der für das Sportliche zuständige Geschäftsführer. Er hat das Chaos der vergangenen Saison überlebt: erst die Entlassung von Trainer Klaus Toppmöller; dann die Fast-Verpflichtung von Udo Lattek; den Ärger um die Verhandlungen mit Christoph Daum; das Experiment mit Amateurtrainer Thomas Hörster – und so weiter. Vielleicht haben Calmund die Erfahrungen aus der Daum-Affäre geholfen, mit dem Stress umzugehen. Der für die Finanzen zuständige Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser wird seine Etat-Vorstellungen jedenfalls kaum gegen Calmund durchsetzen: Holzhäuser will 25 Millionen Euro einsparen.

Was ist das Besondere? Läuft es für Bayer wie 1996/1997? Damals kletterte der Klub ein Jahr nach dem drohenden Abstieg sofort auf Platz zwei. Jetzt wird ein einstelliger Tabellenplatz angepeilt – offiziell. Intern heißt die Vorgabe aber internationaler Wettbewerb.

Was hat sich verbessert? Nichts – zumindest auf den ersten Blick. Bei näherem Hinsehen aber startet der Klub mit einem großen Vorteil: Keiner sitzt mehr der Illusion von einer Wiederholung des Traumfußballs der Saison 2001/02 auf. In Leverkusen ist Realismus eingekehrt.

Wie sicher ist der Trainer? Gute Frage. Der aktuelle „Trainer des Jahres“, also Klaus Toppmöller, ist in Leverkusen längst nicht mehr im Amt. Auch dessen Nachfolger Thomas Hörster musste gehen. Der neue Coach Klaus Augenthaler startet nun immerhin mit dem Bonus des verhinderten Abstiegs in die neue Saison.

Wie passen die Neuen? Wenn man ehrlich ist: gar nicht. Denn nachdem Lucio nun noch ein Jahr dranhängen will in Leverkusen, wirken die Verpflichtungen der Innenverteidiger Ingo Hertzsch (Hamburger SV) und Teddy Lucic (AIK Stockholm) überflüssig. Zumal auch der dauerverletzte Abwehrchef Jens Nowotny irgendwann in die Mannschaft zurückkehren wird. Die Rückkehr von Stürmer Robson Ponte dagegen wird sich lohnen. Der Brasilianer war an den VfL Wolfsburg ausgeliehen.

Wie wird gespielt? In der vergangenen Saison spielten zwei kreative Männer im offensiven Mittelfeld: Bastürk und Schneider. Spielen beide wieder nebeneinander? Oder wird Bayer Leverkusen in der kommenden Saison nur noch grätschen? Wohl kaum. Dafür ist die Qualität des Kaders immer noch zu groß.

Wer sind die Stars? Schneider, Bastürk, Lucio und Kapitän Nowotny. Hinter allen jedoch stehen Fragezeichen. Die ersten beiden Spieler könnten den Verein noch verlassen, damit die Kosten gesenkt werden. Und bei Jens Nowotny, 32, muss sich noch herausstellen, ob das Knie jemals wieder hält.

Was gibt das Stadion her? Von der Infrastruktur her (Tribünen, Kabinentrakt, Hotel, Restaurant) ist die Bayarena eines der besten Stadien der Bundesliga – noch. Allerdings hat die Arena nur 22 500 Plätze. Für größere Anlässe, zum Beispiel die Weltmeisterschaft in drei Jahren, ist sie einfach zu klein.

Wie sind die Fans? Sie sind anspruchsvoller geworden nach den Reisen durch Europa. Als es schlecht lief, bewarfen sie die Spieler und deren Autos – mit Brötchen. Das Image der „Plastikfans“, wie sie gern verspottet werden, ist immer noch präsent. Liegt die Mannschaft in Rückstand, dann wird es sehr, sehr still in Leverkusen.

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