Sport : Die Geschichte vom bösen Paten

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Da kommt er aus dem Dunklen, der böse Wettpate, und verführt den spielsüchtigen oder in existenzielle Not geratenen Fußballer zur Manipulation. Zumindest geht die Geschichte hierzulande oft so. In Italien ist es anders. Da gilt manipulieren eher als tricksen. Ein billiges und klischeehaftes Vorurteil, das zutrifft. Vor 2006 war es beispielsweise Luciano Moggi, der Manager von Juventus Turin, der seinem Klub mit Absprachen innerhalb eines Geflechts des Betrugs zum Erfolg verhalf. Juventus wurde als einziger Klub mit dem Abstieg aus der ersten Liga und der Aberkennung von Meistertiteln spürbar bestraft.

Man ist versucht, moralisch korrekt anzumerken, dass wohl niemand aus dem damaligen Skandal gelernt hat. Und mit dem Wissen darum, dass nur eine Minderheit der abgesprochenen Spiele auch bekannt wird, kann man von einer größeren Verbreitung der Manipulation ausgehen. Die ist aber nur möglich wegen eines entscheidenden Unterschieds.

Es gibt keinen bösen Paten, weil alle welche sind. Offensichtlich werden Spieler von sich aus aktiv und versuchen auf direktem Wege andere zu beeinflussen. Das Risiko einer verpfuschten Karriere mit den entgangenen Bezügen besteht nicht, die vergleichsweise geringen Einnahmen aus einer Spielmanipulation können mangels drohender Folgen als Zubrot verbucht werden.

Da ist es auch nicht von Bedeutung, wenn die Ermittlungsbehörden kurz vor der EM spektakulär das Quartier der Nationalmannschaft durchsuchen. Sind eh alle unschuldig. Auch wenn jeder aus Erfahrung das Gegenteil annimmt.

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