Sport : Die Geschichtsbücher drohen

Südafrika verliert 0:3 gegen Uruguay – und könnte als erster Gastgeber in der Vorrunde ausscheiden

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Ein Stich für Südafrika.
Ein Stich für Südafrika.Foto: REUTERS

Fußballfans wälzen gern in Geschichtsbüchern, das ist in Südafrika nicht anders. Ist ja auch zu hübsch dieser Zufall: Schon bei der WM 1966 in England traf der Gastgeber in der Vorrunde auf Mexiko, Uruguay und Frankreich und gewann letztlich sogar den Titel, auch wenn der Ball im WM-Finale natürlich niemals hinter der deutschen Torlinie war, aber das ist nun wirklich eine ganz andere Geschichte.

Jedenfalls trifft bei der Weltmeisterschaft in Südafrika der Gastgeber in seiner Vorrunde exakt auf dieselben Nationen wie einst England, da durften sie in den Kneipen Pretorias ja wohl ein bisschen von großen Siegen träumen. Doch anders als vor 44 Jahren droht der Mannschaft von Carlos Alberto Parreira das Aus im eigenen Land schon in der Vorrunde. Nach dem 1:1 im Eröffnungsspiel gegen Mexiko kam die Mannschaft auch im zweiten Vorrundenspiel am Mittwochabend nicht zu einem Sieg und verlor in Pretoria gegen Uruguay mit 0:3 (0:1). Südafrika benötigt nun im Spiel gegen Frankreich am Dienstag unbedingt einen Sieg, um nicht der erste Gastgeber zu sein, der in der Vorrunde einer Fußball-WM ausscheidet. Das wäre sonst noch ein Fall für die Geschichtsbücher.

Die Niederlage trübte die Stimmung auf den engen, steilen Tribünen, auf denen die 42 858 Fans Platz genommen hatten. Anders als im Eröffnungsspiel hatten sich die Fans diesmal Wollmützen anziehen müssen, so erfrischend war es im alten Stadion Loftus Versfeld. Südafrikas Trainer Carlos Alberto Parreira waren seine erregten Spaziergänge hinter der Kreidelinie erwärmend genug.

Denn Uruguay gab sich große Mühe, den Gastgebern den Abend zu vermasseln. Dicht und diszipliniert standen die Südamerikaner in der Defensive, sie attackierten Südafrika stets zehn Meter vor der Mittellinie und schalteten flink um. Die Stürmer in den weißen Hemden ärgerten die Herren in den gelben Trikots ordentlich – und schufen Räume. Als der wuselige Diego Forlan von Atletico Madrid gut 20 Meter vor dem Tor die Lücke sah, legte er all seine Kraft in den rechten Spann. Der Ball rutsche über den Rücken des südafrikanischen Kapitäns Aaron Mokoena, sauste im Bogen über den Keeper Itumeleng Khune hinweg und schlug hinter ihm nach 24 Minuten zum 1:0 ein.

Südafrika hingegen tat sich auch an diesem nationalen Gedenktag schwer. Vor exakt 34 Jahren hatten 15 000 Schüler im Township Soweto gegen die Bildungspolitik protestiert und damit den Kampf gegen die Apartheid eingeleitet. Mehr als 500 Jugendliche kamen damals ums Leben. Doch wie schon in der ersten Halbzeit gegen Mexiko wirkte Südafrika auch gegen Uruguay verkrampft, uninspiriert, überfordert, ohne jegliche Lässigkeit in den Knochen. Im Gegenteil: Kagisho Dikgacoi vom FC Fulham sah seine zweite Gelbe Karte und wird den Südafrikanern nun im letzten, wahrscheinlich ja schon allerletzten WM-Spiel gegen Frankreich fehlen.

Uruguay bestimmte weiter das Spiel, Südafrika schien sogar die Lust zu verlieren und ließ den Gegner herumdribbeln. Elf Minuten vor dem Abpfiff sah Südafrikas Torhüter Khune nach einem Foul an Luis Suarez die Rote Karte, den fälligen Elfmeter zum 2:0 verwandelte erneut Forlan. „Wer die Tore macht ist egal, wichtig war es zu gewinnen“, sagte er nach dem Spiel. Für Südafrika kam es noch schlimmer: In der Nachspielzeit köpfte Alvaro Pereira das 3:0 für Uruguay. „Wir sind in die Falle gelaufen“, sagte Kapitän Mokoena, beteuerte aber: „Wir haben noch ein Chance.“

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