Sport : Die Gesetze der Play-offs

Eishockeytrainer Hans Zach fühlt sich mit seinen Kölner Haien in die Enge getrieben

Claus Vetter

Berlin - Hans Zach wollte sich nicht beruhigen. Nach der 0:4-Niederlage seiner Kölner Haie hatte sich wieder einmal die halbe Eishockeywelt gegen den Trainer der Kölner Haie verschworen. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelte Zach, nachdem der ERC Ingolstadt den 1:1-Ausgleich gegen die Haie in der Viertelfinalserie um die deutsche Meisterschaft geschafft hatte. „Die Ingolstädter spielen doch mit vier NHL-Spielern, vier Eingedeutschten und zwölf Ausländern: Die werden Meister. Wen würde es wundern? Was die da an Geld reinstecken“, sagte der ehemalige Bundestrainer.

Zach hatte schon vor der Serie erklärt, die Bayern hätten sich „hochgekauft“. Das stimmt nicht ganz. Ingolstadts Trainer Ron Kennedy sagt: „Ich hätte gern den Etat von Köln zur Verfügung.“ Und den Umstand, dass der deutsche Nationalspieler Marco Sturm einer der vier Ingolstädter Gastspieler aus der National Hockey-League (NHL) in Ingolstadt ist, verschwieg Zach. Es war egal, schließlich war im zweiten Spiel der Serie zwischen den Kölner Haien und dem ERC Ingolstadt ohnehin Günther Oswald – einer der vier Torschützen – der auffälligste Ingolstädter Spieler. Oswald ist Deutscher.

So war denn Hans Zachs rhetorischer Ausbruch ein weiteres Indiz dafür, dass sich hier jemand in die Enge getrieben fühlt. Denn so sind nun mal die Gesetze der Play-offs: Scheitert ein Favorit schon im Viertelfinale, dann wird schon mal ganz schnell die ganze Saison in Frage gestellt. Niemand interessiert sich dann noch dafür, was in der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) passiert ist. Erst recht nicht in Köln.

Vor drei Spielzeiten hat Zach bei den Haien die Nachfolge von Rich Chernomaz angetreten. Ein undankbares Erbe: Die Haie waren gerade Meister geworden. Zur Überraschung der Konkurrenz, aber nicht zur Überraschung ihrer Fans, denn bei dem Traditionsverein mit der größten Arena und dem größten Zuschauerschnitt der DEL ist das Anspruchsdenken nun mal um ein Vielfaches höher als beim Großteil der Konkurrenz.

In der ersten Saison kam Zach mit den Haien noch bis ins Finale, den Meistertitel bejubelten dann aber die Krefeld Pinguine. Im Vorjahr war schon im Viertelfinale gegen den späteren Meister Frankfurt Schluss, was Hans Zach mit Verletzungspech erklärte. Was nun, wenn Zach mit den prominent besetzten Haien schon wieder in der ersten Runde der Play-offs ausscheidet? Sportmanager Rodion Pauels fürchtet, „dass dann in Köln das große Theater losgeht“. Hans Zach sagte allerdings kürzlich trotzig: „Ich bleibe bis 2006 in Köln.“ So lange läuft sein Vertrag bei den Haien.

Zachs Situation ist charakteristisch für die Play-offs: Ob ein Trainer eine Zukunft bei einem Klub hat, entscheidet sich innerhalb weniger Tage. Schafft etwa Mike Schmidt – vor wenigen Wochen nach der Entlassung von Dave King vom Kotrainer zum Cheftrainer befördert – mit dem Hamburg Freezers mit einem Sieg in der Serie gegen Meister Frankfurt Lions (dort stand es vor dem gestrigen Spiel wie bei Köln gegen Ingolstadt 1:1) den Einzug ins Halbfinale, dann würde Schmidt kommende Saison einen Vertrag als Cheftrainer bei den Freezers bekommen. Das ist ein offenes Geheimnis in Hamburg. Ansonsten müsste er wohl wieder als Kotrainer arbeiten – denn nur für diese Position hat er einen Vertrag für die kommende Saison.

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