Sport : Die Gewandelten

In 18 Tagen durch die Liga (2) – wie die Bundesliga-Klubs aufgestellt sind. Heute: 1. FC Köln

André Görke

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August. Bis zum Start beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen? Vorbei sind die Zeiten des Kölschen Chaos – der FC wird seriös. Großen Anteil daran hat Manager Andreas Rettig, der schon den SC Freiburg in die Bundesliga führte. Er hat als Assistent von Reiner Calmund bei Bayer Leverkusen gelernt. Seine Zuneigung zu dem Klub äußerte sich bis vor wenigen Monaten noch darin, dass Rettig eine Bayer-Uhr trug – als Kölner hat er die jetzt abnehmen müssen. Rettig versteht sein Geschäft: Die Lizenz hat der FC (Etat: 34 Millionen Euro) ohne Auflagen bekommen.

Was ist das Besondere? Hennes VII., das Maskottchen – ein Geißbock. Ihn können die FC-Fans online ( www.fckoeln.de ) 24 Stunden am Tag in seinem Stall in Widdersdorf beobachten. „Im Stadion reservieren wir ihm ein besonders leckeres Rasenstück am Spielfeld“, verspricht Hans Rütten von der Kölner Sportstätten GmbH. Den Seelöwen im Zoo wurden 1000 FC-Plastikbälle spendiert. Und BAP-Sänger Wolfgang Niedecken hat die dritte Version von „FC, jeff Jas!“ herausgebracht (Hochdeutsch: „FC, gib Gas!“).

Was hat sich verbessert? Es ging kaum schlimmer. Wäre der Klub nicht aufgestiegen, „wäre es schwierig geworden“, sagt Präsident Albert Caspers. Der FC hätte den Etat bei 20 Millionen Euro einfrieren müssen, einen Trikotsponsor hat der FC noch immer nicht. Geschäftsführer Claus Horstmann sagt: „Bis zum Saisonstart schaffen wir das." Der bisherige Sponsor soll 2,5 Millionen Euro gezahlt haben – in der Zweiten Liga.

Wie sicher ist der Trainer? Als der FC am letzten Zweitligaspieltag in Burghausen spielte, riefen die Fans: „Funkel raus!“ Zu dröge, zu langweilig, sagen sie. Zwar war Funkels Aufstieg mit dem FC bereits sein vierter – viele aber wünschen sich Christoph Daum zurück. Er hat den FC von 1986 bis 1990 trainiert. In eine Medienstadt wie Köln würde er gut passen – weniger allerdings zu Manager Rettig. Der betont: „Funkel ist der Vater des Erfolgs."

Wie passen die Neuen? Köln hat sich für einen Aufsteiger gut verstärkt. Jörg Heinrich, 34, kommt fürs linke Mittelfeld und bringt eine Menge Erfahrung mit (33 Länderspiele). „Das ist noch mal eine große Chance“, sagt er. Mustafa Dogan, 27, in Deutschland aufgewachsen, spielte zuletzt bei Fenerbahce Istanbul. Mit seiner Erfahrung (2 Länderspiele für Deutschland) wird er die schwache Defensive verstärken – und kann laut „Bild“ zum „neuen Frauenschwarm der Liga“ werden. Die weiteren Neuen sind Marius Ebbers (Duisburg) und Sebastian Schindzielorz (Bochum). Stefan Wessels, bei Bayern Ersatztorhüter hinter Oliver Kahn, dürfte sich beim FC durchsetzen. Hoffnung setzen die Kölner in Andrej Woronin, der bei Mainz Torschützenkönig der Zweiten Liga war.

Wie wird gespielt? Unspektakulär, aber effektiv. In der Zweiten Liga hat Köln eine Serie von 338 Tagen ohne Niederlage hingelegt – und verlor dann im DFB-Pokal 0:8 beim FC Bayern. Einen Platz im unteren Mittelfeld dürfte der FC aber schaffen.

Wer sind die Stars? Mmh, Stars? Woronin ist in seiner Heimat Ukraine hinter Andrej Schewtschenko zum besten Fußballer gewählt worden. Doch so viel Lob, wie Woronin zuletzt erhalten hat, „so gut kann keiner spielen“, sagte Manager Rettig dem „Kicker“. „Wir haben Woronin einen dicken Rucksack umgehängt, er soll er sich jetzt erstmal in der Spitze bestätigen.“ Publikumsliebling ist Dirk Lottner, der auch Kapitän bleibt. Ist er ein Star? Notfalls ist es halt Hennes.

Was gibt das Stadion her? Wer das alte Stadion kennt, wird das neue vergöttern. Aus der Betonschüssel in Müngersdorf wird für 120 Millionen Euro ein reines Fußballstadion. Der Umbau läuft noch: In der Hinrunde passen 33 000 Zuschauer ins Stadion, ab Januar 51 000. Der FC hat 17 000 Dauerkarten verkauft. Nur der Name ist bescheiden: RheinEnergieStadion. (Bis 2009 müssen Kölner mit diesem Namen leben.)

Wie sind die Fans? Angenehm bekloppt. Die Fans meckern, schimpfen – und lieben doch nichts mehr als den FC. Für das Testspiel heute Abend gegen den FC Liverpool sind 27 000 Karten weggegangen – im Vorverkauf. Euphorie? Ja. Nur „starten wir mit zwei Niederlagen, dann geht’s hier ab“, sagt Spieler Matthias Scherz.

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