Sport : Die gläsernen Athleten

Die Beach-Volleyballer Dieckmann/Scheuerpflug trainieren mit ihren Konkurrenten für Athen

Ernst Podeswa

Am 13. August beginnen die Olympischen Spiele in Athen. Bis dahin stellt der Tagesspiegel deutsche Athleten vor, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Heute: Andreas Scheuerpflug und Christoph Dieckmann.

Die Beachvolleyball-Anlage in der Berliner Chausseestraße. „14 Bälle sind es“, ruft Trainer Bernd Schlesinger. Christoph Dieckmann sammelt sie ein. Derweil glättet Andreas Scheuerpflug den Sand mit einer Harke, unterstützt vom Australier Julien Prosser. Dann gesellt sich Prosser in den Schatten zu seinem Kumpel Mark Williams und dessen Freundin. Die Sonne sticht, es sind 30 Grad. Doch Schlesinger kennt kein Erbarmen: „Wir machen noch Sprungkraft und Schnelligkeit.“ Seine Schützlinge ächzen, die Australier schauen entspannt zu.

Warum trainieren die Australier, die für Athen qualifiziert sind, kurz vor Olympia in Berlin? Und dann noch zusammen mit den Deutschen Meistern, die ebenfalls in Athen spielen? „Der Flug nach Australien würde eine Menge Zeit kosten. Und dort ist es noch heißer als hier“, sagt Prosser. Aber gibt man nicht Geheimnisse preis, wenn man kurz vor einem Topereignis mit den Konkurrenten trainiert? „Wir kennen uns schon so lange, da gibt es Geheimnisse nur noch außerhalb des Courts.“

Was in anderen Sportarten undenkbar wäre, ist für den Mikrokosmos der Profis im Beachvolleyball keinesfalls ungewöhnlich. „Wir waren ja schon Anfang des Jahres zum Training in Neuseeland und Australien und haben in Sydney mit den beiden trainiert“, sagt Christoph Dieckmann. „Ganz abgesehen davon, dass man im Training mehr Einzelelemente übt und keine echten Wettkampfpartien spielt, braucht man im Beachvolleyball Partner auf dem gleichen Niveau. Es macht keinen Sinn, wenn von der anderen Seite leichte Bälle ohne Druck kommen oder keine hochklassige Abwehr zu knacken ist.“ Gegen die Australier haben Dieckmann/Scheuerpflug in dieser Saison einmal gewonnen und verloren.

Seit zwei Jahren spielen der 37-jährige Scheuerpflug und der 28-jährige Dieckmann jetzt zusammen. „Sie sind nun in ihrer zweiten Saison und stark wie nie zuvor“, sagt Trainer Schlesinger. Der 45-jährige Hamburger, einst Bundesligacoach im Hallen-Volleyball, hat eine Zweidrittel-Stelle bei einem Kosmetikhersteller und betreut dank einer Mischfinanzierung, bei der die Spieler und der Verband zahlen, das für den VC Olympia startende Nationalteam Scheuerpflug/Dieckmann. Schlesinger liefert vor allem sportwissenschaftliche Ratschläge. Denn ansonsten seien beide „absolut vollprofessionell“. Wobei die deutliche Leistungssteigerung in diesem Jahr (9. Platz in der Weltrangliste) und gute Platzierungen bei Weltcup-Turnieren damit zusammenhängen, „dass Christoph sich vorbildlich an alle Vorgaben der Ärzte wegen der Bandscheibe hält und Andreas mit 37 seine athletischen Grundlagen verbessert hat und sich noch immer motivieren kann“. Einen Schub in taktischer Hinsicht habe auch der dreiwöchige Trainingsaufenthalt in Brasilien gebracht.

Erste Gegner der Deutschen am 14. August sind die Kubaner Alvarez/Rossell, dann folgen die Franzosen Canet/Hamel sowie die Favoriten Benjamin/Marcio Araujo. „Die beiden Gruppenersten sowie vier von sechs Gruppendritten kommen weiter. Das wollen wir schaffen, dann wären wir zumindest Neunte“, sagt Scheuerpflug. „Alles andere wäre eine überaus erfreuliche Zugabe.“

Favoriten auf den Olympiasieg sind für Scheuerpflug die Weltmeister Ricardo/Emanuel aus Brasilien. Gegen die beiden haben die Berliner in diesem Jahr noch nicht gewinnen können. „Ansonsten haben wir alle aus den Top Ten geschlagen.“ Und vielleicht sollte Scheuerpflug sich an Prosser orientieren. Der sagt: „Du musst zu Olympia fahren und denken: Ich will gewinnen und alles dafür tun. Vor vier Jahren hätte auch keiner gedacht, dass die US-Amerikaner Blanton/Fonomoioana Gold und Ahmann/Hager Bronze gewinnen würden.“

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