Sport : Die goldene Generation Für Bayern München kommt nur der Titel in Frage

Daniel Pontzen

Nicht alle Errungenschaften, die sich die Bayern im Zuge ihrer Generalüberholung in diesem Sommer geleistet haben, sind auf vorbehaltslose Zuneigung gestoßen. „Gefällt mir nicht“, hat Sebastian Deisler in unbestechlicher Ehrlichkeit über das güldene Gewand gesagt, das sich die Bayern künftig bei Auswärtsspielen zumuten. Das Textil könnte gleichwohl farbliches Sinnbild für den FC Bayern 2004/05 werden. Denn die sonstigen Neuerungen versprechen einen hohen Zugewinn an Qualität, weswegen Verein und Fans auf den Beginn einer neuen, ja goldenen Ära hoffen. Mit kaum weniger hat die Führungsriege den neuen Trainer beauftragt: Felix Magath soll endlich jenen Gezeitenwechsel einleiten, an dem sich sein Vorgänger Ottmar Hitzfeld in den vergangenen Jahren glücklos versucht hat. Mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln hat Magath damit begonnen. Der Medizinball ist dabei zum Erkennungszeichen der Vorbereitung geworden. Mit Verve kämpft er gegen die Sattheit an, die sich in den letzten Jahren in der Star-Gemeinschaft Bayern e.V. eingenistet hat. Trotz gelungener Vorbereitung inklusive des gewonnen Liga-Pokal-Finales Anfang der Woche – durch ein keineswegs unansehnliches 3:2 über Werder Bremen – monierte Magath fehlendes Zusammengehörigkeitsgefühl und mangelnde Angriffslust. Es ist unbequemer geworden für die Bayern-Profis.

Personell zeichnen sich ebenfalls zentrale Einschnitte ab: Von den vier Zugängen, für die die Münchner beinahe so viel investiert haben wie der Rest der Liga insgesamt in neues Personal, scheinen drei den Sprung auf Anhieb zu schaffen: Bei Lucio (Leverkusen/12 Millionen Euro), der in der Innenverteidigung gesetzt ist, und Torsten Frings (Dortmund/9 Millionen), der die zentrale Position im defensiven Mittelfeld einnimmt, war dies abzusehen – Andreas Görlitz (1860 München/2,5 Millionen), der hinten rechts erste Wahl ist, hat überrascht. Nur Vahid Hashemian (Bochum/2 Millionen.) wird, zumindest vorerst, nicht mehr als eine Ergänzung für den Angriff sein.

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Wer ist der Star?

Müsste man sich auf einen Namen beschränken, würde der etwa so klingen: Oliroy Zé Schweindeislack. An einem guten Tag können mindestens acht Bayern ein Spiel allein entscheiden. Heraus ragt die Mittelfeldreihe: Frings, gelernter Stürmer, sichert dabei für die Kreativen Michael Ballack, Zé Roberto und Sebastian Deisler ab. Deisler könnte den größten Qualitätsschub liefern. Nach überstandenen Verletzungen und geheilter Depression hat er mit starken Leistungen daran erinnert, wer Deutschlands bester Fußballer ist. Wie groß die Dichte im Mittelfeld ist, lässt sich zudem an Bastian Schweinsteiger erkennen: bei der EM noch als Hoffnungsträger Nummer eins im DFB-Team gehandelt, bleibt ihm vorerst nur ein Platz auf der Bank.

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Was ist möglich?

Als Felix Magath Anfang der Woche den Liga-Pokal hoch halten sollte (der seltsamerweise kein Pokal ist, sondern eine Schale), wirkte er so zufrieden wie jemand, der Kaviar bestellt und eine Dose Thunfisch serviert bekommt. Der Trainer hat seinen Anspruch zuletzt immer gerne und ausführlich wiederholt: Er will die großen Titel mit seinem neuen Klub gewinnen. In der Champions League wird sich zeigen, ob die neu formierte Mannschaft schon im ersten Jahr ihr Potenzial abrufen kann. In der Meisterschaft scheint, auf die Dauer der Saison gesehen, kein Verein ebenbürtig. Bleibt der DFB-Pokal, den man in München als nette Dreingabe zu schätzen weiß. Zumal er farblich zum neuen Auftritt passt.

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