Sport : Die "Grande Nation" will wieder Titel hamstern

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Frankreich gegen den Rest der Welt. So lautete vor einem Jahr die Schlagzeile nach den Rad-Weltmeisterschaften der Bahnfahrer in Bordeaux. Sechs der insgesamt zwölf vergebenen Titel gingen an die "Grande Nation", gerade einmal ein Regenbogentrikot bleib für das deutsche Team übrig. Sprint-Star Jens Fiedler rettete im Keirin die Ehre des Bund Deutscher Radfahrer (BDR). Wenn heute ab 10 Uhr im Berliner Velodrom an der Landsberger Allee die diesjährigen Welttitelkämpfe mit den Qualifikationsrennen beginnen, soll alles anders werden. Damit rechnet auch Frankreichs Chefcoach Daniel Morelon. "Ein Ergebnis wie im Vorjahr zu wiederholen, ist natürlich sehr schwer. Aber wir sind die Favoriten und mit dieser Rolle können wir leben", sagt der ehemalige Weltklasse-Sprinter.

Gleich zwei Entscheidungen stehen am Abend ab 19 Uhr nach der feierlichen Eröffnung auf dem Programm. Mit dem 1000-m-Zeitfahren und der 4000-m-Einzelverfolgung beginnt die Medaillenhatz bei der bis Sonntag dauernden WM. Die Titelverteidiger in beiden Disziplinen kommen - natürlich - aus Frankreich. 1000-m-Spezialist Arnaud Tournant dürfte kaum zu schlagen sein. Er hält mit 1:02,991 Minuten den Bahnrekord, aufgestellt vor einem Jahr bei seinem Weltcup-Start. Für den Berliner Sören Lausberg geht es vor allem darum, in die Medaillenränge zu fahren. Der 30-Jährige vom SC Berlin war 1996 und 1997 jeweils WM-Zweiter, kam im Vorjahr aber über einen fünften Rang nicht hinaus. Der zweite deutsche Starter wird voraussichtlich Stefan Nimke aus Schwerin sein. Ob der Deutsche Meister jedoch teilnehmen kann, ist fraglich. Er laboriert seit Tagen an einer Infektion.

Besser sind die Chancen des BDR in der Einzelverfolgung. Zwar machten die beiden Franzosen Philippe Ermenault und Francis Moreau im Vorjahr den Titel unter sich aus, doch der Abstand des WM-Dritten Robert Bartko vom Peugeot-Radteam Berlin war nicht so groß. Dass mit dem Stunden-Weltrekordler Chris Boardman aus Grossbritannien ein weiterer Medaillenkandidat abgesagt hat, dürfte die Chancen der deutschen Fahrer auf Edelmetall erhöhen.

Gespannt sein darf man auch auf das Abschneiden von Routinier Jens Lehmann. Der 32-jährige Leipziger erlebt in diesem Jahr seinen zweiten Frühling und verbesserte bei den deutschen Bahnmeisterschaften im Velodrom im Juli mit 4:19,992 Minuten den deutschen Rekord von Bartko um neun Hundertstelsekunden. Beide haben zusätzlich noch die Chance, sich mit einer guten Leistung für den deutschen Bahnvierer zu empfehlen, der am Donnerstagmorgen in der Qualifikation erstmals antreten muss.

Allen Unkenrufen zum Trotz scheint sich die Bahn-WM zu einem Zuschauermagneten zu entwickeln. Nach den Zuschauerflops bei den Europameisterschaften und dem Weltcup im Vorjahr hat Organisationschef Burckhard Bremer bisher insgesamt fast 16 000 Tickets in Umlauf gebracht. Die Vormittagsveranstaltungen können bei freiem Eintritt besucht werden, Schüler brauchen gegen Vorlage ihres Schülerausweises auch morgen Abend keinen Eintritt bezahlen.

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