Sport : Die Grenze der Belastung

Ligatrainer üben Kritik am Konföderationenpokal

Stefan Hermanns

Berlin - Ralf Rangnick hat in der vorigen Woche schon mit der Trainingsplanung für die kommende Saison begonnen. Ganz einfach gestaltet sich das nicht. Der Trainer von Schalke 04 muss verschiedene Variablen berücksichtigen, auf die er keinen Einfluss hat. Ein bisschen schlauer wird er am kommenden Mittwoch sein, wenn er weiß, wie viele Schalker Spieler Bundestrainer Jürgen Klinsmann in seinen Kader für den Konföderationenpokal (15. bis 29. Juni) berufen wird. Nur wann seine Nationalspieler ins Mannschaftstraining des Fußball-Bundesligisten einsteigen können, weiß Rangnick dann immer noch nicht. Was für Klinsmann das Optimale wäre, dass die deutsche Nationalmannschaft das Finale erreicht, wäre für Rangnick „der schlimmste Fall“. Drei Tage vor dem Endspiel beginnen die Schalker mit der Saisonvorbereitung, und wenn die Nationalspieler genauso lange Urlaub haben sollen wie ihre Kollegen, „sind sie exakt zum Saisonauftakt im ersten Training“.

Beim Konföderationenpokal deutet sich ein Interessenskonflikt zwischen Klinsmann und den Erstligatrainern an, der den deutschen Fußball noch lange beschäftigen könnte. Spätestens wenn der erste Nationalspieler in der WM-Saison verletzt ausfällt, wird er richtig ausbrechen. Doch Klinsmann hat bereits bekundet, dass er die beste Mannschaft aufbieten wird. Die Bundesligatrainer hingegen klagen schon jetzt über die übermäßige Belastung. „Gerald Asamoah hat in dieser Saison 65 Pflichtspiele bestritten“, sagt Rangnick. „Da ist es absolut hammerhart, danach noch vier Wochen weiterzuspielen.“

Der Konföderationenpokal war immer schon ein Streitfall zwischen den Vereins- und Nationaltrainern. Bei der bisher einzigen Teilnahme der Deutschen (1999 in Mexiko) musste sich der damalige Teamchef Erich Ribbeck auf eine Quotenregelung einlassen: Pro Verein durfte er lediglich drei Spieler nominieren. Schalke wird diesmal neben Asamoah vermutlich nur noch den Neuzugang Fabian Ernst abstellen müssen. Viel schlimmer könnte es Bayern München und seinen Trainer Felix Magath treffen. Der Deutsche Meister stellt bis zu sechs Nationalspieler. „Langsam wird es zu viel“, sagt Magath. „Die Nationalspieler werden daran gehindert, sich richtig zu erholen.“ Nur bei Sebastian Deisler sieht er kein Problem, „weil er in dieser Saison weniger belastet war“. Wahrscheinlich sei der Konföderationenpokal sogar gut für den lange verletzten Deisler, der bei den Bayern sogar um einen Stammplatz kämpfen muss. Nur, fragt Ralf Rangnick, „wie viele Sebastian Deislers gibt es denn noch?“

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