Sport : Die Grenze oberhalb des Hinterteils Vor Gericht streitet der DFB um Hosenwerbung

Patrick Bauer

Berlin - Fußball-Präsidenten mit neuen Ideen, sagt Jürgen Scholz, stoßen immer auf Widerstand. Das war 1973 genau wie heute. Damals rettete ein gewisser Ernst Fricke, Präsident von Eintracht Braunschweig, seinen chronisch armen Verein, indem er ganz kühn ein Logo auf die Trikots drucken ließ: Jägermeister. 100 000 Euro gab es dafür. Die Fans waren empört, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) protestierte. Mittlerweile verwundert es eher, wenn Vereine, wie Werder Bremen in der Saison 2002/03, mal keinen Trikotsponsor haben.

Jürgen Scholz ist Präsident des Viertligisten Arminia Hannover – auch er streitet sich mit dem DFB, und auch er scheint die Fans gegen sich zu haben. Alles nur wegen eines Wortes: Kanzlerstadt. Diesen Namen eines Modelabels hatte Scholz schon 2003 auf die Hosen seiner Spieler schreiben lassen. „Co-Sponsor als Po-Sponsor“ hieß die Aktion. „Ich habe die Verpflichtung, meinem Verein neue Einnahmequellen zu suchen“, sagt Scholz. Doch der Nordostdeutsche Fußballverband untersagte die Hosenwerbung, was der DFB unterstützte. Von Litfaßsäulen war die Rede, geschmacklos sei das. Außerdem berief sich der Verband auf seine Richtlinien: „Als Werbefläche dienen ausschließlich die Vorderseite und ein Ärmel im Oberarmbereich des Trikots“ heißt es da. Reklame auf der Hose ist aber in Österreich, Spanien, Belgien oder Frankreich längst üblich – und seit dieser Saison vom Fußball-Weltverband Fifa offiziell erlaubt.

Heute nun stehen sich vor dem Landgericht Frankfurt am Main Arminia Hannover und der DFB gegenüber, das Urteil könnte das Erscheinungsbild des deutschen Fußballs prägen. „In wenigen Jahren wird die ganze Bundesliga mit Hosenwerbung rumlaufen“, sagt Jürgen Scholz, selber Rechtsanwalt. Er ist zuversichtlich, der DFB habe keine rechtliche Grundlage für die Ablehnung. „So kann man als Verband nicht mit den Mitgliedern umgehen“, sagt Scholz. Andere Amateurvereine hätten schon Interesse, die Fans würden sich schnell daran gewöhnen. „Neues wird immer skeptisch beurteilt“, sagt Scholz, „wie damals in den 70er-Jahren.“ Aus Respekt vor dem Verband spielt Arminia Hannover seit Einreichung der Klage ohne den Hosen-Schriftzug. Den DFB unterstützt überraschend ein Verein, dem ansonsten vorgeworfen wird, jede Einnahmemöglichkeit zu nutzen: der FC Bayern München. Vize-Präsident Karl-Heinz Rummenigge sagte: „Irgendwo sind Grenzen.“ Konkret also oberhalb des Hinterteils.

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