Sport : Die große Aufholjagd

Roger Kluge und Peter Schep gewinnen das 102. Berliner Sechstagerennen.

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Hier winken die Gewinner. Peter Schep (3. von links) und Roger Kluge (rechts daneben) jubeln mit den Zweitplatzierten Luke Roberts (links) und Kenny De Ketele (2. von links) und dem drittplatzierten Duo Franco Marvulli (2. von rechts) und Andreas Müller. Foto: dpa
Hier winken die Gewinner. Peter Schep (3. von links) und Roger Kluge (rechts daneben) jubeln mit den Zweitplatzierten Luke Roberts...Foto: dpa

Berlin – Roger Kluge führte das Feld an. Zielsicher steuerte er auf den für die siegreichen Teams reservierten Tisch in der ersten Reihe zu, seine Mitstreiter folgten quasi im Windschatten. Die Fahrer trugen in diesem Moment noch ihre schweißgetränkten Trikots und hatten sichtlich andere Sorgen, als das Buffet zu eröffnen. Erst mal hinsetzen, etwas trinken, durchschnaufen. „Der Wettbewerb hat Kraft gekostet“, sagte Kluge, „das sieht man jedem von uns an.“ Wobei der Eisenhüttenstädter die Anstrengungen der Vortage mit einem breiten Grinsen überstrahlte. Siegerlächeln halt.

Keine halbe Stunde zuvor hatten sich Kluge und sein Teamkollege Peter Schep Platz eins im Zweier-Mannschaftsfahren gesichert, der wichtigsten Wertung bei der 102. Auflage des Berliner Sechstagerennens. In einem spektakulären letzten Rennen war das deutsch-niederländische Gespann der Konkurrenz erst auf den allerletzten Runden enteilt. „Wir sind nach schlechtem Start ein paar Tage hinterhergefahren“, sagte Schep. „Aber heute waren wir in Topform und haben richtig Druck auf den Weltmeister gemacht“. Gemeint waren Kenny de Ketele und sein Teamkollege Luke Roberts. Dass Franco Marvulli und Andreas Müller sowie die Berliner Duos Robert Bartko/Theo Reinhardt und Robert Bengsch/Marcel Kalz zumindest bis kurz vor Schluss realistische Siegchancen besaßen, steigerte die Stimmung unter den mehr als 12 000 Zuschauern im Velodrom merklich. De Ketele/Robert belegten schließlich Rang zwei, Marvulli/Müller durften sich über den dritten Platz freuen. Und Roger Kluge über seinen zweiten Sieg bei den Berliner Sixdays nach 2011. „Zum Glück fährt man in Berlin noch volle sechs Tage“, sagte Kluge, „andernfalls hätten wir niemals so eine großartige Aufholjagd starten können.“

Der Schlussspurt in der Mannschaftswertung war allerdings nicht der einzige Höhepunkt am Finalabend. Zuvor hatten Maximilian Levy und Robert Förstemann die Zuschauer mit ihrem spannenden Duell in Aufruhr versetzt. Am Ende hatte Förstemann das bessere Ende für sich. Der 26-Jährige fuhr über 250 Meter nämlich eine sensationell schnelle Zeit (12,620 Sekunden) und verbesserte den Rundenrekord im Velodrom, den er erst am Tag zuvor aufgestellt hatte, noch einmal um zwei Hundertstelsekunden. „Wir haben eine große Show abgeliefert“, sagte Förstemann.

Zufrieden konnten die Organisatoren auch mit den Zuschauerzahlen sein. Mehr als 75 000 Besucher wurden an sechs Tagen an der Landsberger Allee offiziell gezählt. Dass so manche von ihnen Sponsoren-Tickets nutzten, die trotz des unmissverständlichen Aufdrucks „unverkäuflich“ zum Teil bei einem großen Internet-Auktionshaus angeboten wurden, wirkte sich nicht negativ auf das Fazit von Veranstalter Heinz Seesing aus. „Meine Zufriedenheit hat den obersten Stand erreicht“, sagte er nach dem letzten Rennen. Für Seesing selbst könnte es das letzte Berliner Sechstagerennen als Veranstalter gewesen sein. Er hatte angekündigt, sich aus dem Organisationsteam zurückziehen und seine Gesellschafter-Anteile verkaufen zu wollen. Eine endgültige Entscheidung über seinen Nachfolger solle bis Mitte des Jahres fallen, betonte Seesing. Denn eines ist dem Mann, der die Sixdays von Berlin 1996 nach langjähriger Pause wiederbelebte, ganz wichtig: „Ich gebe die Verantwortung nur an Personen weiter, die mich davon überzeugen, dass das Sechstagerennen auch in 30 Jahren noch in Berlin ausgetragen wird.“

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