• Die Großen sind abgesprungen - aber Bundestrainer Lee sieht zumindest langfristig Chancen

Sport : Die Großen sind abgesprungen - aber Bundestrainer Lee sieht zumindest langfristig Chancen

Ernst Podeswa

"Nein, bereut habe ich meinen Schritt nicht. Da bin ich falsch verstanden worden. Nein, die Mannschaft zieht fantastisch mit, und die Aufgabe macht mir im Moment wirklich großen Spaß", sagt He Wan Lee. Der 44jährige Koreaner hatte im Frühjahr überraschend um Auflösung seines Vertrages als Männer-Trainer des Volleyball-Spitzenteams Bayer Wuppertal gebeten, um den Job als Frauen-Bundestrainer anzutreten. So geschah es. Als dann jedoch eine Leistungsträgerin nach der anderen für die Europameisterschaft der Frauen ab Montag in Italien absagte, sei er enttäuscht gewesen. Besonders die Begründung der 23jährigen Ex-Schwerinerin Hanka Pachale, die derzeit in Italien ihre Brötchen verdient ("Die Nationalmannschaft ist ohne die Auslandsprofis zu schwach. Da gefährde ich meinen Marktwert."), habe ihn gewurmt: "Da habe ich gesagt, wenn der Verband sie noch für die EM überredet, dann will ich nicht mehr der zuständige Trainer sein." Von Bettelhinschmeißen keine Rede.

Im Gegenteil. Lee sammelte junge engagierte Spielerinnen, trainierte und spielte fast ohne Pause. Gegen Bulgarien, Rumänien, Hollland, Polen. Und die Leistungen wurden immer besser. Auch ohne Pachale, Susanne Lahme, Christina Schulz, Jana Vollmer, Nancy Celis, deren Können im Ausland honoriert wird. "Ich musste natürlich meine Ansprüche herunterschrauben. Denn im deutschen Frauenvolleyball ist nach dem Abtritt solcher Größen wie Maike Arlt, Grit Naumann oder Ute Steppin eine deutliche Lücke entstanden. Da sind technische Mängel, die unter Stresssituationen deutlich werden und zu Punktverlusten führen."

Doch die Bereitschaft und das Wollen seiner derzeitigen Schützlinge sei überaus positiv: "Die Mannschaft hat Perspektive. Doch wir brauchen Zeit." Beim anstehenden Europachampionat sei eine Erfolgsprognose kaum zu stellen. Denn die Vorrundengegner Polen, Bulgarien und Kroatien würden mit kompakteren Teams inklusive ihrer Auslandsprofis antreten. Bei der EM-Endrunde, diesmal nur mit acht Mannschaften, gibt es jedoch keine Olympiatickets. Die ersten Beiden qualifizieren sich für den Weltcup im November in Japan, wo es drei Sydney-Fahrkarten gibt. "Wir hoffen, dass Russland sich dort für Olympia qualifiziert. Dann haben wir durchaus die Chance, uns beim Bremer Turnier im Januar den Olympiatraum zu erfüllen." Für Bremen werde er von den Auslands-Gastarbeiterinnen nur diejenigen berücksichtigen, "die wirklich für die Auswahl kämpfen wollen."

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