Sport : Die Großen zahlen, damit die Kleinen spielen

Mit 14 Tagen Verspätung startet am Wochenende die italienische Fußballliga

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Rom (dpa). Italiens reiche Fußballklubs finanzieren ihre ärmeren Gegner, damit die Serie A am Wochenende endlich starten kann. Auf dem Krisengipfel bei Sportminister Giuliano Urbani einigten sich die Klubchefs am Dienstag auf eine Solidaritätsabgabe der sechs reichsten Klubs an die restlichen Vereine der Liga, die damit ihre Einnahme-Verluste aus den Pay-TV-Verträgen auffangen können. Die acht so genannten Rebellen zogen nach dreistündigen Verhandlungen ihre Streikdrohung zurück.

Mit zweiwöchiger Verspätung starten die Erste und Zweite Liga nun am Samstag und Sonntag. „Das Wichtigste ist, dass das Land zur Normalität zurückfindet“, erklärte der sichtlich erleichterte Liga-Präsident Adriano Galliani, der Sportminister Urbani die magischen Worte überließ: „Die Serie A startet!“ Nicht nur die Fußballfans werden sich über diese Nachricht freuen – mit den Tifosi atmen auch die Topklubs auf. Eine weitere Verzögerung des Ligastarts hätte die Vereine in den Europacup-Wettbewerben, die in der kommenden Woche beginnen, extrem benachteiligt.

„Die fehlende Spielpraxis ist ein großes Problem“, klagte Juventus Turins Trainer Marcello Lippi. Ein wegen des erneut verschobenen Ligastarts verschuldetes frühes Ausscheiden in den lukrativen Europacup-Wettbewerben wäre die Spitzenvereine viel teurer zu stehen gekommen, als die Solidaritätsabgabe. Über die Höhe der Abgaben machten die Verhandlungspartner keine Angaben. „Die einnahmestärksten vier Klubs werden mehr geben, als Lazio und Parma, die ebenfalls Zahlungen leisten“, verriet Liga-Präsident Galliani.

AS Roms Präsident Franco Sensi durfte sich als Robin Hood des italienischen Fußballs feiern lassen: Er nahm von den Reichen und gab den Armen. Die Solidaritätsabgabe war seine Idee. „Der gute Wille hat gesiegt“, sagte Sensi, der sich auf die Seite der Rebellen Bergamo, Brescia, Chievo, Como, Empoli, Modena, Perugia und Piacenza geschlagen hatte.

Den kleinen Klubs wollen die beiden Pay-TV-Sender „Stream“ und „Tele Piu“ statt der geforderten insgesamt 64 Millionen Euro für die nächste Spielzeit nur 52,47 Millionen Euro zahlen. Daraufhin streikten die Provinzklubs nach dem Motto: „Ohne lukrative Fernsehverträge gibt es auch keinen Fußball.“ Da weder die Klubs noch die eingeschaltete italienische Regierung die unabhängigen Sender zu höheren Zahlungen zwingen konnten, mussten die von den kleinen Vereinen mit dem Ligaboykott erpressten Spitzenvereine nun die Differenz aufbringen.

Es war ein zumutbares Opfer, weil die reichen Klubs wie zum Beispiel der Rekordmeister Juventus Turin allein 54 Millionen Euro pro Jahr vom Bezahlfernsehen kassieren. Auch die kleinen Vereine hätten Opfer gebracht, behauptete Comos Präsident Enrico Preziosi: „Wir mussten einen Riesenschritt zurück gehen.“

Die Provinzvereine wollen jetzt einen eigenen Pay-TV-Sender gründen, um ihre Begegnungen in eigener Regie zu übertragen. „Wir hoffen, dass der Sender im nächsten Jahr arbeitsfähig ist und dass die Liga ihre Fernsehrechte wieder gemeinsam vermarktet“, sagte Liga-Präsident Galliani und machte damit die Forderungen der kleinen Klubs zum gemeinsamen Ziel aller Serie-A-Klubs. Die Regierung hat bereits ihre Unterstützung signalisiert. Sie will eine weitere Pay-TV-Lizenz genehmigen.

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