Sport : Die Gründe sind dem VdV-Geschäftsführer jedoch "völlig schleierhaft"

Hatrmut Scherzer,Klaus Rocca

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Die Gründe für diesen Schritt sind mir völlig schleierhaft". So reagierte Jürgen Sparwasser, 53facher Auswahlspieler der DDR und Schütze des legendären 1:0 bei der Weltmeisterschaft 1974 in Hamburg gegen das DFB-Team, auf die Abberufung als bezahlter Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV). Auf einer Gesellschafter-Versammlung sprach sich VdV-Schatzmeister Heinz Pudell gegen Sparwasser aus, Vizepräsident Michael Preetz (Hertha BSC) hatte in Abwesenheit eine Vollmacht zur Abberufung erteilt. Die Geschäfte leitet nun kommissarisch der bisherige VdV-Sprecher Ernst Thoman. Die Forderung nach seinem Rücktritt vom Ehrenamt als Präsident der Gewerkschaft der Fußballprofis lehnt Sparwasser ab. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 15. November in Dortmund wird über das Amt entschieden.

Sparwasser, seit zweieinhalb Jahren im Amt, dementierte Gerüchte, er habe sich finanzielle Verfehlungen zuschulden kommen lasen. "Ich habe es mir auf der Gesellschafterversammlung schriftlich geben lassen, dass mir wirtschaftlich und finanziell nichts vorgeworfen wird", erklärte Sparwasser. Dabei verwies er auf das Plus von 18 000 Mark, das die VdV im letzten Geschäftsjahr erwirtschaftet habe. "Bei einer Mitgliederzahl von 800 ist das ein erkleckliches Sümmchen."

Ernst Thoman, 50-jähriger Jurist aus Münster, wies Vermutungen zurück, die Beurlaubung Sparwassers sei die Folge eines Interviews Sparwassers mit dem Fachmagazin "kicker". In diesem Interview hatte Sparwasser zum Dauerstreit zwischen Kaiserslauterns Trainer Otto Rehhagel und Ciriaco Sforza Stellung bezogen und dabei die Haltung des Spielers kritisiert. Thoman sprach in diesem Zusammenhang von einem "publizistischen Amoklauf". Sparwasser habe sich als Angestellter einer Spielergewerkschaft "im Stile eines Arbeitgeberpräsidenten" geäußert. "Aber dieses Interview war nicht der Grund für den Schritt", so Thoman. "Die Sache liegt so tief, dass das Präsidium in Ruhe an die Sache herangeht und sich erst dann äußert." Michael Preetz sagte dazu auf Anfrage: "Wir haben uns darauf geeinigt, diese Dinge nicht öffentlich zu diskutieren. Mit dem Interview hat das alles aber nichts zu tun."

Nach Angaben Sparwassers seien seine Äußerungen in dem fraglichen Interview "sinnentstellend" wiedergegeben worden. Sparwasser: "Ich habe mich bei dem verantwortlichen Redakteur beschwert. In einem Schreiben hat er sich dann später bei mir dafür entschuldigt." Jürgen Sparwasser verwies auf die Erfolge seiner Arbeit: Unter ihm habe die VdV, vor elf Jahren als Interessenvertretung der Vertragsfußballer gegründet, die sportmedizinische Vorsorge der Mitglieder verbessert, ein Versorgungswerk und ein Modell für die Nachwuchsförderung eingerichtet.

Jürgen Sparwasser, vor 51 Jahren in Halberstadt geboren, war mit dem 1. FC Magdeburg 1974 Europapokalsieger, dreimal DDR-Meister und viermal Pokalsieger. 1979 beendete er wegen Hüftproblemen seine sportliche Karriere. Der gelernte Maschinenbauer wurde 1980 Diplom-Sportlehrer und arbeitete bis zu einem Wechsel in den Westen an der Pädagogischen Hochschule in Magdeburg.

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