Sport : Die gut geplante Sensation

Aufsteiger Hertha BSC kontert beim Meister Dortmund entschlossen und siegt überraschend verdient 2:1

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Ein Herz für Hertha. Raffael traf nicht nur das Tor, sondern jeweils einmal auch Latte und Pfosten. Foto: dpa
Ein Herz für Hertha. Raffael traf nicht nur das Tor, sondern jeweils einmal auch Latte und Pfosten. Foto: dpaFoto: dpa

Die neue Saison in der Fußball-Bundesliga läuft schon etwas mehr als einen Monat; für Hertha BSC aber hat die Spielzeit eigentlich erst gestern begonnen. Die Rückkehr nach Dortmund, zum Duell gegen den Deutschen Meister, im größten Stadion der Republik galt im vergangenen Jahr immer als Synonym für das Ende der Zweitklassigkeit. Die Vorfreude und das Kribbeln war zumindest den Berliner Fans anzumerken, in überaus stattlicher Zahl begleiteten sie ihre Mannschaft ins Westfälische. Markus Babbel, Herthas Trainer, wirkte äußerlich ganz ruhig. Während sein Kollege Jürgen Klopp das Spiel schon früh in stehender Position verfolgte, verharrte Babbel die meiste Zeit in bequemer Sitzhaltung. Dortmund ist nichts, was den Berliner Trainer in Wallung bringt. Gegen den BVB hatte er noch nie verloren, weder als Spieler noch als Trainer. Und seine Serie hat auch nach dem 14. Aufeinandertreffen Bestand. Hertha BSC, der Aufsteiger in die Bundesliga, kam beim Meister zu einem sensationell anmutenden 2:1 (0:0)-Erfolg.

Bei genauerem Hinsehen aber war der Sieg alles andere als sensationell. Babbel hatte wie in Hamburg und Hannover die Auswärtstaktik mit nur einem Stürmer (Adrian Ramos) gewählt. Änis Ben-Hatira, erst vorige Woche vom HSV verpflichtet, saß zunächst nur auf der Bank und durfte erst spät noch mitmachen. Die Berliner stellten sich gegen den Meister äußerst geschickt an. Sie verdichteten die Räume immer da, wo Gefahr hätte entstehen können, manchmal erst knapp vor dem eigenen Strafraum. Spätestens da aber verfingen sich die Dortmunder in einer Art Gitternetz.

Nach Balleroberungen versuchte Hertha, schnell umzuschalten und entschlossen auf das BVB-Tor zu spielen. Auch wenn das nicht immer funktionierte – die ersten Gelegenheiten hatten die Gäste. Nachdem Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller eine Flanke von Patrick Ebert falsch berechnet hatte, kam Ramos am langen Pfosten an den Ball, sein Schuss aber landete nur am Außennetz. Knapper war es kurz darauf, als sich Tunay Torun mit einem Doppelpass Platz verschaffte. Der Türke versuchte es aus 18 Metern, sein Flachschuss aber ging scharf am Pfosten vorbei ins Aus.

Die Dortmunder fanden bei schwülwarmem Wetter nur schwer in die Spur. Sie sammelten zwar eine Menge Ballbesitz, ihren Bemühungen aber fehlte es an Dynamik und Esprit. Der Ausfall von Mario Götze (Rotsperre) machte sich nicht unbedingt positiv bemerkbar. Richtig unter Druck geriet Hertha nie, von Dauerdruck ganz zu schweigen. Als Shinji Kagawas Flachschuss knapp am Tor der Berliner vorbeirauschte, waren schon fast 20 Minuten vorüber; und erst nach einer knappen halben Stunde bekam Herthas sehr guter Torhüter Thomas Kraft den ersten Schuss auf sein Tor. Bei Ilkay Gündogans Freistoß reagierte er glänzend, genauso wie kurz vor der Pause bei einer Gelegenheit von Kevin Großkreutz.

Klopp reagierte schon in der Pause, brachte Antonio da Silva für den nicht besonders glücklichen Gündogan. Aber besser wurde es erst einmal nicht. Fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff lief Raffael nach einer Luftgrätsche von Mats Hummels allein auf das BVB-Tor zu, er schoss Weidenfeller an, doch der Ball prallte Herthas Brasilianer vom Bein des Dortmunder Linksverteidigers Marcel Schmelzer noch einmal vor die Füße – Raffael musste ihn nur noch zum 1:0 ins leere Tor schieben.

Der Brasilianer hatte sogar zweimal die Chance, den Vorsprung auszubauen: Nach einer präzisen Flanke von Christian Lell traf er jedoch nur das Lattenkreuz, eine gute Viertelstunde vor Schluss landete ein Schuss von Raffael am Pfosten. Im Stadion machte sich erster Unmut bemerkbar, zumal die Dortmunder sich im Spielaufbau zu viele leichte Fehler leisteten. Ausdruck war der Schuss von Sven Bender aus mehr als 25 Metern, der gegen die Latte des Berliner Tores krachte.

Die Berliner hatten die besseren Möglichkeiten: Ebert scheiterte frei vor dem Tor an Weidenfeller, gleich darauf aber machte Peter Niemeyer alles klar. Nach einer Ecke staubte er zum 2:0 ab. Der Anschlusstreffer der Dortmunder durch ein Kopfballtor von Robert Lewandowski kam zu spät, um dem Spiel noch eine Wende zu geben. Hertha feierte den zweiten Auswärtssieg in Dortmund und drei Bonuspunkte, die wohl auch in der optimistischsten Planung nicht berücksichtigt worden waren. Für den BVB hingegen endete eine Serie von 18 Heimspielen ohne Niederlage. Eingeplant war das so vermutlich auch nicht.

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