Die Hände in Unschuld : Telekom will nichts vom Doping Armstrongs gewusst haben

Die Veröffentlichung der Dopingakten im Fall Armstrong durch die US-Anti-Doping-Agentur Usada bringen immer mehr Radprofis und Teamchefs zum Reden. Armstrong will an den Lügendetektor.

Kann diese Hand lügen? Radprofi Lance Armstrong will den nächsten Versuch unternehmen, sich reinzuwaschen. Foto: AFP
Kann diese Hand lügen? Radprofi Lance Armstrong will den nächsten Versuch unternehmen, sich reinzuwaschen. Foto: AFPFoto: AFP

Bei den Verantwortlichen des ehemaligen deutschen Vorzeige-Rennstalls Telekom/T-Mobile lässt die Vergangenheitsbewältigung allerdings weiter auf sich warten. Auch im harten Konkurrenzkampf zu Lance Armstrong „hatten wir nie Zweifel“, im eigenen Team dopingfrei unterwegs zu sein, sagte Jürgen Kindervater, bis 2002 Leiter der Konzernkommunikation bei der Deutschen Telekom. Trotz der Aussagen von Rudy Pevenage, der Doping im Team Telekom um die Jahrtausendwende eingeräumt hat, will man beim damaligen deutschen Rennstall von flächendeckender Manipulation nichts gewusst haben. „Die ärztliche Versorgung unserer Fahrer unterstand der Universitätsklinik Freiburg, die auch die Olympiamannschaft betreute. Sie hatte für uns den Status des Bundesgerichtshofs“, erklärte Kindervater.

Mit der Übertragung der medizinischen Verantwortung nach Freiburg schien der Bonner Chefetage ein genialer Schachzug gelungen zu sein – der größtmögliche Sicherheitsstandard gegen Dopingskandale sollte erreicht werden. Bekanntlich irrte sie gewaltig. Die Klinik- und Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid waren in die Praktiken involviert, die wohl auch bei Telekom/T-Mobile gang und gäbe war.

Kindervater, inzwischen Leiter einer Werbeagentur in München, zeigte sich überrascht über die „Systematik“ des Armstrong-Betruges. „Hätten wir Zweifel gehabt im eigenen Team, dass nicht alles korrekt läuft, hätten wir sofort die Reißleine gezogen“, sagte der einstige Macher der Telekom-Mannschaft, der 1995 den späteren Tour-Sieger Bjarne Riis ins Team holte und den Weg ebnete zum Ullrich-Boom. Nach der Affäre Fuentes hatten sich die Bonner 2007 nach 16-jährigem Engagement aus dem Radsport zurückgezogen.

Unterdessen kämpft Armstrong um seine Reputation. Oder besser: lässt kämpfen. Sein Anwalt Tim Herman brachte gar einen Lügendetektor ins Spiel. Diese Art der Befragung hatte im Januar aber bereits dem wegen Dopings verurteilten Alberto Contador nichts genutzt. Auch die Usada-Kronzeugen sollten nach Herman an das Gerät angeschlossen werden. In dem Verfahren hatten langjährige Armstrong-Teamkollegen wie George Hincapie gegen ihren ehemaligen Kapitän ausgesagt.

Nun gibt es erste Forderungen finanzieller Art an Armstrong. Die „Sunday Times“ möchte rund eine Million Dollar zurück, die die Londoner Zeitung 2004 nach einem Verleumdungsprozess an Armstrong zahlen musste, weil sie ihm Doping unterstellt hatte. Womöglich ist der finanzielle Aspekt für den über viele Jahre dominanten Fahrer auf der Tour de France noch gar nicht der dramatischste. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ könnte Armstrong wie einst Leichtathletin Marion Jones wegen Meineids überführt zu werden – dann droht eine Haftstrafe.

Am Montag äußerte sich der südaustralische Ministerpräsident Jay Weatherill auch zum Thema. Er bereue es nicht, Armstrong für die Tour Down Under angeworben zu haben. Durch die Teilnahme habe die australische Rundfahrt ihr Profil erfolgreich geschärft. Lance Armstrong war 2009 bei dem Wettbewerb in den Radsport zurückgekehrt und hatte zwei weitere Male daran teilgenommen. dpa/dapd

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