Sport : Die Hände zum Himmel

Claus Vetter

Ein Ende des Chaos oder Chaos ohne Ende? Für die Berlin Capitals aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) könnte der heutige Tag zu einem sehr traurigen werden. So jedenfalls lässt sich die Ankündigung von Reinhard Hofmann deuten. Der Geschäftsführer der Capitals-GmbH konnte auch gestern nicht die am 5. Februar fälligen Januar-Gehälter überweisen. "Sollte am Mittwoch kein Geld da sein, dann werde ich einen Insolvenzantrag stellen", sagte Hofmann. Klare Worte in einer völlig unklaren Situation: Denn ein von den Capitals gestellter Insolvenzantrag muss noch lange nicht das Ende des Klubs in der DEL bedeuten. Ligakonkurrent Moskitos Essen etwa spielt derzeit unter Insolvenz, ist die Lizenz für die DEL aber noch nicht los, da noch kein Konkursverfahren eröffnet worden ist.

Auch gestern warteten die Capitals auf Geld, das ihr Hauptgesellschafter Egon Banghard zur Verfügung stellen wollte. Banghard, zu 97 Prozent Eigner des Klubs, schuldet den Capitals noch eine sechsstellige Summe. Der Unternehmer aus der Baubranche ist auch als Sponsor bei den Capitals engagiert. Am Wochenende fragte Banghard bei einer Tagung einer großen Hotelgruppe am Tegernsee nach finanzieller Unterstützung. Außerdem geht das Gerücht um, eine Bank habe dem angeschlagenen Unternehmer einen Kredit gewährt. Die im Raum stehende Summe soll aber nur für die Spielergehälter reichen und nicht für die anderen Angestellten des Klubs, die schon seit November kein Geld mehr gesehen haben.

Längst hat das Possenspiel rund um die Deutschlandhalle auch den letzten Optimisten den Nerv gezogen. "Auf der Geschäftsstelle schlagen alle die Hände über dem Kopf zusammen", sagt Hofmann. Hände zum Himmel, aber nicht aus einer Karnevalslaune, sondern zum Beten - vielleicht hilft das noch. Nach wie vor ist eine Investorengruppe an einem Einstieg bei den Capitals interessiert. Die potenziellen Gesellschafter halten sich im Hintergrund und werden in den Verhandlungen von einem Wirtschaftsberater vertreten. Der hat verlauten lassen, dass die Bereitschaft eher gering ist, die Capitals in ihrer momentanen Verfassung zu übernehmen. Nur wenn sich Banghard zurückziehe und eine entschuldete GmbH übergebe, könnten sich die Capitals noch an den Mann bringen lassen. Schließlich sollen sich auf der Geschäftsstelle Altlasten türmen, die bis in die Zeit des Vorgängerklubs BSC Preussen zurückreichen. Selbstverständlich in Millionenhöhe.

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