Sport : Die Halbstarken

Vorne schlecht, hinten gut: Wie Alba Berlin die Tabellenführung verspielte

Helen Ruwald

Berlin - Fast vier Monate war Alba Berlin das Maß der Dinge in der Basketball-Bundesliga. Am 19. Oktober, dem dritten Spieltag, eroberte das Team durch das begeisternde 111:81 gegen die Skyliners Frankfurt die Tabellenführung. 17 Spieltage hatte der Vorsprung bestand, bis zum Mittwochabend. Durch das 53:61 im Nachholspiel beim Deutschen Meister GHP Bamberg rutschten die punktgleichen Berliner wegen des verlorenen direkten Vergleichs auf Rang zwei ab. „Bamberg ist in diesem Jahr der Favorit und muss damit leben“, sagt Berlins Teammanager Henning Harnisch. Und Alba muss damit leben, eine deutliche Tabellenführung verspielt zu haben. Dabei ließen die Berliner bei den Niederlagen in Bamberg und zuvor in Köln (58:61) weniger Punkte zu, als je zuvor in dieser Saison – allerdings trafen sie auch in keinem Spiel schlechter. Im Schnitt kommen sie auf 90,7 Punkte. Harnisch freute sich deshalb gestern einerseits, „dass wir defensiv einen Schritt nach vorn gemacht haben“, forderte aber, „dass wir vorne nicht ein bisschen, sondern grundsätzlich besser werden“.

Alba war furios in die Saison gestartet, hatte die Gegner phasenweise deklassiert. Dieses Niveau sei nicht zu halten, hatten die Verantwortlichen schon im Herbst gesagt. Sie behielten Recht. Von den zehn letzten Spielen gewann Alba nur sechs, der Heimniederlage gegen Aufsteiger Bremerhaven im Dezember folgten in diesem Jahr Niederlagen in Frankfurt sowie am Sonntag bei Rheinenergie Köln und drei Tage später in Bamberg. Die Franken hingegen gewannen ihre letzten acht Bundesligaspiele und werden von der Euphorie getragen, die der Einzug ins Achtelfinale der Europaliga entfachte – einem Ziel, dem die Berliner jahrelang vergebens hinterherliefen. Im Januar scheiterten sie im zweiten Jahr in Folge sogar in der Vorrunde des zweitklassigen Uleb-Cups.

Doch dass Bamberg in der Liga nun das Maß der Dinge sei, weist Albas Trainer Henrik Rödl zurück, denn „wir hatten die Chance, das Spiel bis zum Schluss offen zu halten, obwohl wir nicht in Bestform waren“. 7:19 stand es nach dem ersten Viertel, doch die Berliner kämpften sich gegen die aggressiven Gastgeber wieder ins Spiel und kamen vor allem durch den überragenden Quadre Lollis (21 Punkte) auf fünf Zähler heran. Vergebene Distanzwürfe verhinderten, dass das Spiel kippte. Jovo Stanojevic, Albas Center und Leistungsträger, spielte nach seinem Muskelfaserriss erstmals wieder, blieb in knapp zwölf Minuten Spielzeit aber wirkungslos und machte null Punkte. Gegen schwächere Gegner hatte Alba den tatsächlichen oder Quasi-Ausfall des Serben kompensieren können, gegen die Spitzenteams Köln und Bamberg misslang dies. Am Mittwoch gelang weder Arigbabu noch Whitehead ein einziger Korb, und die sonst so sicheren, routinierten Distanzschützen Canak, Price und Penberthy trafen schlecht. „Das Problem ist, dass man sich auf Würfe von außen nicht so verlassen kann“, sagt Rödl. Mal gehen sie rein, mal nicht, neben Ballgefühl gehört auch etwas Glück dazu.

Verunsicherung hat Harnisch bei den Spielern auf Grund der Fehlwürfe nicht ausgemacht. „Sie sind geknickt und freuen sich auf das nächste Spiel“, sagt er. Auf das am Samstag gegen Gießen (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Und auf das am 16. April gegen Bamberg. Das letzte Spiel vor Beginn der Play-offs könnte ein Endspiel um die Tabellenführung werden.

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