Sport : Die Hand am Sektglas

Die Frauen von Turbine Potsdam siegen auf dem Weg ins Uefa-Cup-Finale 4:0 gegen Trondheim

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Für Theo Zwanziger war es ein erholsamer Nachmittag. Der Präsident des Deutschen FußballBundes saß weit weg von Wettskandal und Hooligan-Sorgen auf der Tribüne des mit 2000 Zuschauern gefüllten Karl-Liebknecht-Stadions und lächelte, während seine kleine Enkeltochter auf seinem Schoß herumkletterte. Turbine Potsdam siegte 4:0 im Halbfinal-Hinspiel im Uefa-Cup gegen die Norwegerinnen von SK Trondheims-Ørn, von Zwanziger eifrig beklatscht.

Dabei hatte es nach der zerfahrenen und torlosen ersten Halbzeit für den Meister nicht nach einem solch großen Schritt in Richtung Finale ausgesehen. „Ich hoffe, wir schaffen die zwei nötigen Tore“, sagte Zwanziger zur Pause. Seit dem letztjährigen Pokalfinale sei er Turbine-Fan. Dass es noch viel besser kam, lag an einer im zweiten Durchgang spielstarken Turbine-Elf und vor allem an Conny Pohlers. Die Nationalstürmerin erzielte drei Tore. Zweimal per Kopf und einmal nach einer Hereingabe aus kurzer Distanz.

Trainer Bernd Schröder hatte vor dem Spiel sogar überlegt, Pohlers auf der Bank zu lassen: zu viele Chancen hatte sie in den schwachen Turbine-Spielen zuletzt vergeben. „Das 1:0 war für uns alle eine Befreiung“, sagte Pohlers nach dem Abpfiff erleichtert. Zwischenzeitlich erhöhte Petra Wimbersky auf 3:0 (73.). Die im rechten Mittelfeld sehr aktive Navina Omilade freute sich, mit einem Sektglas in der Hand: „Wir haben uns erst schwer getan, aber irgendwann mussten wir ja besser spielen!“ Und ihre Mannschaftskollegin Anja Mittag sagte: „Wir wären blöd, wenn wir das jetzt noch aus der Hand geben.“ Trotz des unkonzentrierten Beginns präsentierte sich Turbine gegen harmlose Norwegerinnen schon in der ersten Europapokalsaison als Titelfavorit und kann in einer Woche gelassen mit der für Fans und Team gecharterten Fokker 100 nach Trondheim fliegen.

„Der deutsche Fußball ist international noch durch zwei Teams vertreten“, sagte Bernd Schröder stolz, nachdem er von Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck überschwänglich geherzt worden war. Nur, dass Bayern München in der Champions-League die deutlich schlechtere Ausgangslage hat.

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