Sport : Die Hand des Helden

Der englische Fußball hat so seine Eigenheiten. Zum Beispiel, wenn ein Tor fällt. Dann fangen die Zuschauer nicht sofort an zu jubeln und sich gegenseitig zu umarmen. Stattdessen schauen sie erst mal, ob der Ball wirklich hinter der Linie ist und ob der Stürmer wirklich mit Fuß oder Kopf getroffen hat. Das Wembley-Tor gegen die Deutschen und der Gegentreffer durch das Handspiel von Diego Maradona haben sich ins kollektive Gedächtnis der britischen Fußball-Fans eingebrannt.

Am Donnerstag ist nun ein weiteres Ereignis dazugekommen. Es geht um einen Preis, den der Weltverband Fifa verliehen hat. Einen Preis für Paolo di Canio, einen in Italien geborenen Profi, der sein Geld beim englischen Verein West Ham United verdient. Fürs Tore schießen. In der vergangenen Saison stand di Canio oft im Strafraum der gegnerischen Mannschaft. Einmal war das Tor sogar völlig verwaist. Der Torhüter lag geschlagen auf dem Rasen, die Fans hatten den Jubelschrei auf den Lippen. Doch di Canio drückte den Ball nicht mit dem Fuß über die Linie, sondern nahm ihn in die Hand. Der Schiedrichter pfiff ab. Kein Tor, kein Jubel.

Nun also wurde der Verhinderer des Torerfolgs ausgezeichnet. Mit dem Fairplay-Preis der Fifa. Denn der Torwart im Strafraum lag ihm nicht zu Füßen, weil er den Ball falsch eingeschätzt hatte, sondern weil er verletzt war. Weil Paolo di Canio den Ball in die Hand nahm, konnte der verletzte Torhüter ärztlich behandelt werden. Die Zuschauer im Stadion pfiffen. Die Herren vom Fairplay-Komitee applaudierten.

Doch der Vorbild-Fußballer sollte noch einmal innehalten. Denn wenn Paolo di Canio das Fairplay wirklich so sehr schätzt wie von der Fifa unterstellt, muss er den Preis weiterreichen. An Oliver Bierhoff. Der deutsche Nationalstürmer hat in den vergangenen Monaten viele klare Torchancen ausgelassen. Oft lag der Torwart schon vor ihm am Boden. Doch Bierhoff schoss über die Latte hinweg oder am rechten Pfosten vorbei. Oder am linken. Oder er traf den Ball nicht. Faire Gesten waren das. Sie werden für immer erhalten bleiben - im kollektiven Gedächtnis der deutschen Fußball-Fans.

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