Sport : Die Hand im Spiel

Mit gebrochenem Finger rettet Augsburgs Torhüter Jentzsch das glückliche 1:1 gegen Bremen

Foto: dapd
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Berlin - Man hätte denken können, das Schicksal beider Mannschaften hinge nur an dem gebrochenen Ringfinger von Augsburgs Torhüter Simon Jentzsch. Vor der Partie gegen Werder Bremen wurde die Mannschaft von Jos Luhukay geradezu reduziert auf die Verletzung ihres letzten Mannes. Genervt zeigte sich davon sogar Bremens Trainer Thomas Schaaf – er bellte: „Am besten schießen wir so, dass er gar nicht an den Ball kommt. Dann ist es egal, ob er einen gesunden oder kranken Finger hat.“ Das gelang beim 1:1 (0:0) nur einmal, Jentzsch hielt überragend.

„Es war schmerzhaft, aber ich wollte unbedingt spielen“, berichtete Jentzsch. In Aktion verdränge man das: „Man hat so viel Adrenalin im Körper.“ Am Ende der intensiven Behandlungen vor dem Spiel verzichtete der 35-Jährige auf einen eigens angefertigten Spezialhandschuh. „Vom Kopf her“ habe er sich mit seinem normalen Handschuh besser gefühlt.

Bei den Bremern stand Tim Wiese nach abgesessener Rotsperre wieder zwischen den Pfosten, Aleksandar Ignjovski ersetzte Philipp Bargfrede im defensiven Mittelfeld. Vor 30 660 Zuschauern in der Augsburger Arena taten sich beide Mannschaften zu Beginn schwer. Erst nach 20 Spielminuten konnten die Bremer Jentzsch und seinen gebrochenen Finger das erste Mal prüfen. Markus Rosenberg verlängerte einen Freistoß von Aaron Hunt mit dem Hinterkopf – doch der Augsburger Schlussmann reagierte mit der verletzten Hand glänzend und lenkte den Ball im letzten Moment an die Latte. Wenige Minuten später holte der Torhüter auch den gut platzierten Freistoß von Hunt aus der rechten Torwartecke. Die Gastgeber, die am vergangenen Spieltag ihren ersten Bundesligasieg feierten, kamen kaum aus der eigenen Hälfte. Nur vereinzelt überschritten sie die Mittellinie, und wenn, dann durch Axel Bellinghausen, der Wiese jedoch nicht überwinden konnte.

Nach dem Seitenwechsel erwischten die Augsburger den besseren Start. Und in der 49. Minute das für unmöglich Gehaltene: Nach einem leichtsinnigen Fehler von Andreas Wolf, der den Ball an Augsburgs Sascha Mölders verlor, war es nach der Hackenvorlage von Mölders ein leichtes für Bellinghausen, mit seinem ersten Saisontor die Führung zu erzielen. Die Bremer zeigten sich lange geschockt. Es dauerte bis zur 68. Minute, ehe sie wieder einmal gefährlich vor Jentzsch auftauchten – es war der Ausgleich. Gegen einen Kopfball von Claudio Pizarro war nun auch Jentzsch machtlos. Die Schlussphase gehörte den Norddeutschen, doch mehrere Male vereitelte Jentzsch beste Möglichkeiten von Pizarro und Sandro Wagner. „Simon war ein unglaublich starker Rückhalt für uns. Er hat uns den Punkt gerettet“, sagte Jos Luhukay. „Dafür, dass er einen kaputten Finger hatte, hat er gut gehalten“, sagte auch Werder-Manager Klaus Allofs. „Wir sind verrückt geworden auf der Bank.“

Am Ende war Allofs unzufrieden: „Wir haben vor dem 0:1 einen katastrophalen Fehler gemacht. Danach sind wir aufgewacht, dann war es in Ordnung. Aber wir hätten gewinnen müssen.“Tsp

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