Sport : Die heile Welt der alten Männer

Beim US Masters der Golfer in Augusta ist Arnold Palmer der älteste Teilnehmer – mit 73 Jahren

Hartmut Moheit

Berlin. Seit einiger Zeit beschleicht Arnold Palmer kein komisches Gefühl mehr, wenn er seine Post öffnet. Nach einem längeren Gespräch mit Hootie Johnson, dem Chef des Augusta National Golf Club, wusste der 73-jährige Amerikaner, dass er beim US Masters wieder an den Abschlag gehen darf. Dabei hatte Palmer selbst nach seinem 48. Auftritt in Georgia im vergangenen Jahr noch von seinem „ziemlich lausigen Spiel“ gesprochen, vor allem nach der Auftaktrunde mit 89 Schlägen, mit denen er rund 20 Schläge hinter den Besten lag. Nun aber strebt er auch noch den 50. Turnierstart an. Die offizielle Rücknahme der Altersbegrenzung haben ihn und seinen Landsmann Jack Nicklaus (63) animiert, auch beim 67. US Masters, dem bis zum Sonntag stattfindenden ersten von vier Major-Turnieren 2003, anzutreten.

„Arnold Palmer, Jack Nicklaus und ich sind übereingekommen, dass ehemalige Sieger so lange spielen sollen, wie sie wollen, so lange sie sich wettbewerbsfähig fühlen“, sagte Hootie Johnson dazu. Palmer, der zwischen 1958 und 1964 viermal das „Green Jacket“ für den Sieger bekam und vor 37 Jahren sein letztes Major-Turnier gewann, und Nicklaus, der in Augusta sechsmal siegte, 18 Major-Titel holte und zwei Hüftoperationen hinter sich hat, schmücken das Feld der 93 Teilnehmer allein mit ihrem Namen. Hinzu kommt noch Südafrikas Gary Player (67), der 163 Turniere in seiner 50-jährigen Karriere gewann, darunter viermal das Masters.

Das US Masters wird vor allem den Spielern mit den weitesten Abschlägen Vorteile bringen. Neun Spielbahnen wurden für 2003 neu gestaltet, damit vergrößerte sich die Gesamtlänge vom ersten Abschlag bis zum 18. Loch von 6985 auf 7270 Yards. Wenn dann noch wie zu Beginn der Woche nach sintflutartigem Regen die Spielbahnen weich sind und die Golfbälle dadurch nicht weit rollen, stehen gerade die älteren Spieler vor nahezu unlösbaren Aufgaben. Nur wenn die Bahn nicht übermäßig lang ist, haben sie eine Chance. Zum Beispiel beim „Flowering Peach“, ein Par-4-Loch, das als anspruchsvollstes überhaupt gilt. Wer dort einen Birdie schafft, also mit drei Schlägen einlocht, geht in die Geschichte des Masters ein.

Keine Probleme bereiten außergewöhnliche Umstände normalerweise den Favoriten: Tiger Woods (USA) und Ernie Els (Südafrika). Während der Woods mit dem dritten Sieg in Folge eine neue Bestleistung aufstellen könnte, wäre für Els (33) der erste Masters-Erfolg gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die Klasse des übermächtigen Woods. Dass die beiden Favoriten und die 91 Außenseiter bei ihrem Millionenspiel nicht gestört werden, dafür sorgten die Organisatoren schon im Vorfeld. Die angekündigten Proteste gegen die Politik des National Augusta Golf Club, der sich weigert, Frauen aufzunehmen, dürfen nicht in unmittelbarer Nähe stattfinden. Niemand soll das Spiel stören. In Augusta wird, wie immer, über vier Tage heile (Männer)-Welt gespielt.

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