Sport : Die Heimat wird ausgewechselt

Wenige Trainer der Fußball-WM bleiben ihrem Land treu – viele suchen neue Herausforderungen

Til Knipper,Stefan Tillmann

Berlin - Bei der Fußball-WM trafen sich mehrere Trainergenerationen. Für die einen sollte es die letzte Herausforderung werden, für andere das Sprungbrett zu großen Klubs. Es blieb ein Wagnis: Bereits 18 Trainer der 32 Mannschaften der WM sind zurückgetreten oder mussten gehen. Während sich Weltmeister-Trainer Marcello Lippi auf seinem Boot entspannen möchte, trat Alexandre Guimaraes, Trainer von Costa Rica, aus Sorge um die Sicherheit seiner Familie zurück. Der Deutsche Otto Pfister erklärte gestern, er bleibe in Togo. Ein Überblick über den Transfermarkt der Trainer.

Angola: Luis Oliveira Goncalves ist einer von drei WM-Trainern, deren Zukunft noch offen ist. Nach den Unentschieden gegen Mexiko und Iran sieht es aber nicht unbedingt schlecht für ihn aus.

Argentinien: José Pekerman erklärte direkt nach dem WM-Aus seinen Rücktritt, den er nach Überredungsversuchen des Verbandes nochmals bekräftigte. Nun liegt Alfio Basile, Trainer von Boca Juniors, ein Angebot vor. Zuvor war Mexikos WM-Coach Ricardo La Volpe, gebürtiger Argentinier, im Gespräch.

Australien: Guus Hiddink hört auf und wird neuer Trainer der russischen Nationalmannschaft. Als Nachfolger in Australien sind Gerard Houllier und Carlos Bilardo im Gespräch.

Brasilien: Nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus war es nur eine Frage der Zeit, bis Carlos Alberto Parreira seinen Rücktritt einreichen musste. Er hat allerdings schon einen neuen Job in Aussicht: Parreira will Trainer von Südafrika, WM-Gastgeber 2010, werden. Für die Selecao wird Vanderlei Luxemburgo als Nachfolger gehandelt, der zuletzt bis Dezember 2005 ein Jahr erfolglos Real Madrid trainierte.

Costa Rica: Alexandre Guimaraes trat aus Sorge um seine Familie zurück.

Deutschland: Jürgen Klinsmann ließ sich auch von der Massenbegeisterung nicht zur Vertragsverlängerung überreden. Sein Assistent Joachim Löw sucht nun als Chef noch einen eigenen Assistenten.

Ekuador: Luis Suarez’ Zukunft ist offen, er peilt nach dem respektablen Abschneiden einen Wechsel nach Europa an.

Elfenbeinküste: Henri Michel wechselt zum Klub Al Arabi nach Katar.

England: Der ungeliebte Sven-Göran Eriksson hatte im Januar seinen Rücktritt angekündigt, sein Nachfolger wird Assistent Steve McClaren. Der Schwede wurde mit Real Madrid in Verbindung gebracht, bevor Madrid sich mit Fabio Capello einig wurde.

Frankreich: Ebenfalls ungeliebt, darf Raymond Domenech nach der Vizeweltmeisterschaft bleiben.

Ghana: Ratomir Dujkovic ist zurückgetreten. Der Serbe sucht wohl eine neue Herausforderung, er war kurzzeitig bei Serbien im Gespräch.

Italien: Marcello Lippi holte mit Juventus Turin den Weltpokal, mit Italien die Weltmeisterschaft, jetzt trat er zurück. Er wurde mit Manchester United in Verbindung gebracht, ruht sich aber erst mal auf seinem Segelboot aus. Nachfolger ist Roberto Donadoni, ehemaliger Nationalspieler und unerfahrener Trainer.

Iran: Branko Ivankovic trat zurück, hätte sich aber auch nicht halten können. Für ihn kommt Amir Qalehnoei.

Japan: Der Brasilianer Zico geht zu Fenerbahce Istanbul. Der Bosnier Ivica Osim wird ihn ersetzen. Der ehemalige Trainer von Jugoslawien war als Klubtrainer seit 2003 in Japan tätig.

Kroatien: Der Vertrag mit Zlatko Kranjcar wurde nach dem Vorrundenaus nicht verlängert. Ein Nachfolger wird gesucht. Laut Verband soll es ein Kroate sein.

Mexiko: Ricardo La Volpe ist zurückgetreten und spekuliert nach Medienberichten auf einen Job in Europa. Als Nachfolger ist unter anderem der frühere Nationalspieler und Ex-Real-Madrid-Star Hugo Sanchez im Gespräch.

Niederlande: Marco van Basten ist einer von sechs Trainern, die noch einen Vertrag bis 2008 haben. Die EM in Österreich und der Schweiz ist nächstes Ziel.

Paraguay: Anibal Ruiz litt erst unter Medienattacken und wurde dann entlassen.

Polen: Pawel Janas wurde von Leo Beenhakker abgelöst.

Portugal: Luiz Scolari hat seinen Vertrag bis 2008 verlängert. Er schlug ein Angebot des brasilianischen Verbandes aus.

Saudi-Arabien: Marcos Paqueta hat noch einen Vertrag bis 2008. Verbandschef Prinz Sultan bin Fahad bin Abdulaziz verschliss jedoch in 15 Jahren 11 Trainer. Schweden: Lars Lagerbäcks Vertrag läuft ebenfalls noch bis 2008.

Schweiz: Jakob Kuhn hat keiner das Aus im Achtelfinale übel genommen. Das Ziel für das junge Team und den erfahrenen Trainer bleibt die Europameisterschaft 2008 im eigenen Land.

Serbien-Montenegro: Nach dem schlechtesten Abschneiden aller WM-Teilnehmer mit 0 Punkten und 2:10 Toren kam Ilija Petkovic mit seinem Rücktritt der Entlassung zuvor. Trainer der serbischen Nationalelf wird Javier Clemente, der Spanien bereits bei zwei Welt- und einer Europameisterschaft betreut hatte. Wer Montenegro trainiert, ist bislang unklar.

Spanien: Luis Aragones’ Vertrag wurde bis 2008 verlängert, zumindest in den Gruppenspielen überzeugte das junge Team.

Südkorea: Der Niederländer Dick Advocaat wechselt zu Zenit St. Petersburg. Sein bisheriger Assistent und Landsmann Pim Verbeek übernimmt das koreanische Team.

Togo: Der deutsche Otto Pfister gab gestern bekannt, dass er Togo durch die Qualifikation für die Afrika-Meisterschaft 2008 führen wird. Zuvor hatte er häufiger Probleme mit dem Verband. Wegen des Prämienstreits war er kurz vor der WM zwischenzeitlich zurückgetreten.

Trinidad & Tobago: Leo Beenhakker wechselt auf die Trainerbank der polnischen Nationalmannschaft. Nachfolger wird sein Assistent Wim Rijsbergen, ebenfalls Niederländer.

Tschechien: Der Verband hat trotz enttäuschender WM den Vertrag mit Karel Brückner bis 2008 verlängert.

Tunesien: Roger Lemerre ist ebenfalls mit einem Vertrag bis 2008 ausgestattet.

Ukraine: Oleg Blochin arbeitet zwar ohne Vertrag, soll nach dem Erreichen des Viertelfinales bei Ukraines WM-Premiere seine Arbeit aber fortsetzen.

USA: Der Vertrag mit Bruce Arena wurde nach acht Jahren nicht verlängert. Arena fand nach fünf Tagen einen neuen Arbeitgeber, die Red Bulls New York.

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