Sport : Die Helden von Bern

Stefan Hermanns

(Fortuna Düsseldorf): Der Torhüter bestritt im Finale gegen Ungarn das Spiel seines Lebens. „Toni, du bist ein Fußballgott!“, schrie Radioreporter Herbert Zimmermann in sein Mikrofon. Nach seiner Karriere arbeitete Turek als Angestellter bei der Rheinbahn, den Düsseldorfer Verkehrsbetrieben. Er starb am 11. Mai 1984.

Josef Posipal (HSV): Im Finale von Bern schaltete der rechte Verteidiger den ungarischen Linksaußen Zoltan Czibor aus. Der Rumäniendeutsche kannte seinen Gegenspieler gut – er war mit ihm zur Schule gegangen. Nach seiner Karriere brachte es Posipal als selbstständiger Handelsvertreter einer Möbelfirma zu Reichtum und Wohlstand. Er starb am 21. Februar 1997 an Herzversagen.

Werner Kohlmeyer (1. FC Kaiserslautern): Alkohol, Spielsucht – Kohlmeyer ist mit dem Ruhm des Weltmeisters nie zurecht gekommen. Am Ende arbeitete Kohli als Pförtner bei der „Mainzer Allgemeinen Zeitung“ – am Hintereingang. Der linke Verteidiger starb am 26. März 1974, drei Wochen vor seinem 50. Geburtstag, an einem Herzinfarkt.

Horst Eckel (Kaiserslautern): Der rechte Läufer war mit 22 Jahren der jüngste Spieler im deutschen Kader. Anders als Karl Mai auf links definierte Eckel seine Aufgabe sehr offensiv. Der gelernte Werkzeugmacher studierte später noch und war ab 1970 Lehrer für Sport, Kunst und Werken. Eckel ist einer von drei WM-Helden, die noch leben. Die anderen sind Ottmar Walter und Hans Schäfer.

Werner Liebrich (Kaiserslautern): Für die Ungarn ist Liebrich der eigentliche Vater des WM-Titels – weil der Mittelläufer im Vorrundenspiel (3:8) Ferenc Puskas derart rüde gefoult hatte, dass der im Finale noch nicht wieder richtig fit war. Liebrich betrieb nach seiner Karriere eine Lotto-/Totoannahmestelle und verhinderte 1965 als Trainer den Abstieg des FCK aus der Bundesliga. Am 20. März 1995 starb Liebrich mit 68 Jahren.

Karl Mai (SpVgg Fürth): Der Fürther Karl Mai nahm als linker Läufer eine eher defensive Rolle ein. Nach seiner Karriere betrieb der gelernte Bäcker ein Schreibwarengeschäft in München, ab 1975 arbeitete er als Sportlehrer an einer Hauptschule in der Nähe von Fürth. Mai starb knapp 65-jährig am 15. März 1993 in seiner Heimatstadt.

Helmut Rahn (Rot-Weiß Essen): Der Rechtsaußen war an allen drei Toren im Finale von Bern beteiligt. Das 1:2 bereitete er vor, die beiden letzten schoss er selbst. Auch in der Bundesliga schrieb Rahn Geschichte: Er war der Erste, der eine Rote Karte sah.

Max Morlock (Nürnberg): Der rechte Halbstürmer schoss das dritte Tor in Bern – das 1:2. Morlock erzielte in rund 900 Spielen für Nürnberg mehr als 700 Tore, darunter 1963 auch das erste in der Bundesliga; zweimal war er mit dem Club Deutscher Meister. Nach seiner Karriere betrieb Morlock eine Lotto-/Totoannahmestelle. Er starb mit 69 Jahren am 10. September 1994 an Krebs.

Ottmar Walter (Kaiserslautern): Der Mittelstürmer stand immer im Schatten seines älteren Bruders Fritz. 1954 übernahm Ottmar eine Tankstelle, doch trotz gezielter Werbung („Willst du unserem Ottmar danken, musst du fleißig bei ihm tanken“) geriet er in finanzielle Not. Nach einem Selbstmordversuch erhielt er eine Stelle als Verwaltungsangestellter. Walter lebt in Kaiserslautern.

Fritz Walter (Kaiserslautern): Der bescheidene Kapitän der Weltmeisterelf war einer der beliebtesten Fußballer Deutschlands. Bereits einen Tag nach dem Finale wurde der linke Halbstürmer zum Ehrenspielführer der Nationalmannschaft ernannt. Fritz Walter starb 81-jährig am 17. Juni 2002 – während der Fußball-Weltmeisterschaft.

Hans Schäfer (1. FC Köln): „Schäfer nach innen geflankt“ – so begann das 3:2 in der Reportage Herbert Zimmermanns. Der Linksaußen Schäfer war nicht nur Weltmeister, sondern auch zweimal Deutscher Meister (62, 64) und 1963 Fußballer des Jahres. Nach seiner Karriere war er Generalvertreter einer Geschenkartikelfirma. Der 75-Jährige lebt in Köln.

0 Kommentare

Neuester Kommentar