DIE HELDEN VON CORDOBA drei Jahrzehnte später : An der Zapfsäule, auf der Bühne

Am ruhigsten lebt man als Held, wenn man einfach abtaucht. Wie Eduard Krieger, einer der Gewinner von Cordoba, einer aus der österreichischen Mannschaft, die Deutschland 3:2 besiegte, damals, bei der WM ’78. Krieger lebt als Rentner in Wien, völlig unauffällig. Daran ist auch sein Bruder schuld. Der wurde mal als Einbrecher ertappt, Eduard Krieger wollte keine Fragen zu solchen Familienmitgliedern beantworten, also zog er sich ganz zurück. Heinrich Strasser ist unauffälliger Bankangestellter in Wien, und seine größte Angst dürfte es wohl sein, von Kriegers Bruder überfallen zu werden. Ex-Torwart Friedel Koncilia spielt mit Rückenleiden Golf in Bad Ischgl, Handicap 6, und Willi Kreuz, einer muss es ja machen, hat einen Zeitungsladen. Erich Obermayer? Besitzt eine Tankstelle und ist öffentlich abgetaucht. Seit die Benzinpreise steigen, wird er so schnell auch nicht wieder auftauchen. Walter Schachner taucht auf, in Italien und Holland, zur Fortbildung. Er denkt, dass er sie nötig hat seit dem Rauswurf bei 1860 München. Herbert Prohaska sagt als Chefkommentator im ORF anderen, was sie nötig haben. Hans Krank l taucht überall auf. Im Plattenstudio, auf der Bühne, weil er mit Toni Polster Popsongs in Wiener Dialekt singt, und im Fernsehen als Kommentator. Er war auch mal Nationaltrainer, flog aber raus, weil er Verbandschef Friedrich Stickler, Neffe eines Kurienkardinals, „Fritz“ genannt hatte. Robert Sara war zehn Jahre sauer auf seinen alten Klub Austria Wien. Jetzt ist er dort wieder im Trainerstab. Und Josef Hickersberger? Der ist Nationaltrainer und wird im TV-Programm Ö 3 wegen seiner bedächtigen Sprechweise und seines intellektuellen Anstrichs seit Monaten veräppelt. Aber vielleicht wird diese Satire heute Abend noch abgesetzt. Echte Helden verhöhnt man nicht. Frank Bachner

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