Sport : Die Herren können’s auch

Friesinger holt WM-Titel, Bronze für Männer-Team

Nagano - Erst strahlte sie mit dem Lorbeerkranz auf dem Kopf über ihre zweite Goldmedaille, dann genoss sie bei der Nationalhymne mit geschlossenen Augen den Augenblick. Nach ihrem elften Weltmeisterschaftstitel ist Anni Friesinger die erfolgreichste Eisschnellläuferin aller Zeiten. Durch ihren Sieg über 1000 Meter und ihre insgesamt 20. Medaille auf den Einzelstrecken (11 Gold, 8 Silber, 1 Bronze) übernahm sie in Nagano die Führung von Gunda Niemann-Stirnemann, die zuvor gleichfalls elf Titel und dreimal Silber gewonnen hatte.

Für die eigentliche Überraschung aber sorgten Marco Weber, Stefan Heythausen und Jörg Dallmann, die in der Mannschafts-Verfolgung mit Bronze die erste deutsche Männer-Medaille seit acht Jahren holten. Damals hatte sich der Chemnitzer Frank Dittrich über 10 000 Meter die Bronzemedaille gesichert.

„Schön, schwer, krönt eine gute Saison“, sagte Friesinger knapp und fasste ihr fantastisches Rennen zusammen. In Bahnrekord-Zeit (1:15,37 Minuten) hatte sie die starke Kanadierin Kristina Groves (1:06,01) deutlich auf Platz zwei verwiesen. „Ich liebe alle Titel, jeder ist etwas Besonderes. Vor zehn Jahren war ich unbeschwert, heute bin ich die Gejagte. Alle rütteln an meinem Thron“, sagte Anni Friesinger und war heilfroh, tags zuvor aufs Mannschaftsrennen verzichtet zu haben. „Jetzt wird gefeiert“, sagte die Siegerin aus Inzell.

„Ich gönne ihr das von ganzem Herzen. Wichtig ist, dass es mit dem deutschen Eisschnelllauf weiter vorwärtsgeht“, sagte Gunda Niemann-Stirnemann und gratulierte der Inzellerin, die mit ihrem Auftaktsieg über 1500 Meter zur erfolgreichsten Läuferin der Titelkämpfe avancierte, während bei den Männern wie schon im Vorjahr der Niederländer Sven Kramer mit drei Titeln und einmal Silber überragte.

Im Team-Rennen hatten sich Daniela Anschütz-Thoms, Claudia Pechstein und Lucille Opitz ohne die überragende Anni Friesinger zu Bronze gequält. „Das war haarig. Alles was zählt, ist die Medaille“, sagte Rekord-Olympionikin Claudia Pechstein, die sich über ein weiteres Superlativ ihrer Karriere freute. Die Berlinerin schaffte das Kunststück, als einzige Eisschnellläuferin von allen elf Weltmeisterschaften seit 1996 mit einer Medaille nach Hause zu kommen. Über 5000 Meter ärgerte sie sich aber – geschwächt durch eine Erkältung – über Platz vier und blieb auf dieser Strecke erstmals ohne WM-Edelmetall. Auf Platz fünf kam die Erfurterin Daniela Anschütz-Thoms ein. Sie hatte am Freitag über 3000 m die Bronzemedaille geholt. Über 5000 m konnten die beiden deutschen Frauen diesmal Martina Sablikova aus Tschechien sowie den beiden Kanadierinnen Clara Hughes und Kristina Groves nicht Paroli bieten. Eigentlich hatte man ihnen das noch am ehesten zugetraut, und nicht so sehr, dass auch die deutschen Männer mit Medaillen im Gepäck den Rückflug in die Heimat antreten würden.

Aber das deutsche Männertrio lag sich am Sonntag glücklich in den Armen, nachdem ihr Teamwettkampf abgeschlossen war. „Die Jahre der Leiden sind jetzt bei uns an einem Tag vorbei. Das ist nur geil“, sagte Jörg Dallmann nach dem unerwarteten Edelmetall. „Unglaublich“, fügte Marco Weber hinzu, der mit den Plätzen sechs über 10 000 Meter und sieben über 5000 Meter für Lichtblicke gesorgt hatte. „Es geht von Jahr zu Jahr schneller. Jetzt heißt das Ziel: Olympia-Medaillen in Vancouver“, sagte der 25 Jahre alte Chemnitzer. dpa

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