Sport : Die Hölle hat sich gelohnt

Die Miami Heat benötigen im Finale der NBA gegen Oklahoma City Thunder nur noch einen Sieg zur Meisterschaft.

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Auf Händen hinausgetragen. LeBron James wurde von Krämpfen geschüttelt. Foto: dpa
Auf Händen hinausgetragen. LeBron James wurde von Krämpfen geschüttelt. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Die Zusammenkunft trug einen martialischen Titel: „Hell week“, die Höllenwoche. Unter diesem Motto verabredeten sich im Sommer 2011 zwei der besten Spieler der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA zu einem fünftägigen Trainingslager. LeBron James und die Miami Heat hatten kurz zuvor die Finalserie gegen die Dallas Mavericks um Dirk Nowitzki verloren, die wiederum im Halbfinale Kevin Durant und die Oklahoma City Thunder besiegt hatten. James und Durant wollten ihren Frust darüber in harten Trainingseinheiten gemeinsam abbauen. „Wir haben uns jeden Tag gepusht“, hat James später erzählt.

Seit vergangener Woche stehen sich die Teams von James und Durant nun tatsächlich im diesjährigen Endspiel gegenüber und nach dem vierten Spiel der Best-of-seven-Serie deutet vieles darauf hin, dass James in seinem neunten Jahr als Profi die lang ersehnte Meisterschaft bejubeln darf. In der Nacht zu Dienstag besiegte Miami vor heimischem Publikum Oklahoma mit 104:98 und ging in der Serie mit 3:1 in Führung. Dem Klub aus Florida fehlt damit nur noch ein Sieg zum Titel. In der Nacht zu Freitag (3 Uhr) muss Oklahoma also schon in Miami gewinnen, um die Serie zu verlängern und den Heimvorteil zurückzuerobern.

In Anbetracht der bisher umkämpften wie hochklassigen Finalspiele ist dieses Szenario keineswegs ausgeschlossen. Der mentale Vorteil liegt jetzt allerdings eindeutig aufseiten Miamis. „Die Art und Weise, wie wir dieses Spiel verloren haben, ist ziemlich frustrierend“, sagte Oklahomas Coach Scott Brooks nach der jüngsten Niederlage. Sein Team hatte stark gespielt. Angeführt von Kevin Durant (28 Punkte) und vom überragenden Russell Westbrook (43 Punkte, 7 Rebounds, 5 Assists) lag Oklahoma phasenweise mit 17 Punkten vorn (33:16), trotz eines zwischenzeitlichen 16:0-Laufs der Heat hielten die Gäste das Match bis in die Schlusssekunden offen. „Die Thunder haben eine der besten Playoff-Leistungen in der NBA-Geschichte vergeudet“, sagte TV-Experte Earvin „Magic“ Johnson, selbst fünffacher NBA-Champion.

Gleichwohl arbeitete LeBron James an seiner Legende. Wie schon im gesamten Verlauf der diesjährigen Play-offs widerlegte der 27-Jährige die zentrale These seiner zahlreichen Kritiker, er sei ein großspuriger Show-Basketballer, der in entscheidenden Situationen abtaucht. Im vierten Final-Spiel übernahm James sehr wohl Verantwortung – obwohl er im letzten Viertel wegen eines Oberschenkelkrampfes vom Platz getragen wurde. James kam zurück, er humpelte über das Feld, jeder Schritt schmerzte. Trotzdem traf er wichtige Würfe, unter anderem einen Dreier zum 97:94 drei Minuten vor Schluss. Am Ende schrammte James knapp an einem Triple-Double vorbei (26 Punkte, 12 Assists, 9 Rebounds).

„Wir haben einen großen Sieg gelandet. Meine Teamkollegen haben mich großartig unterstützt“, sagte James nach dem Spiel. „Aber wir sind noch nicht am Ziel.“ Die Statistik ist da jedoch anderer Meinung: In der Geschichte der NBA-Finals hat es bisher keine Mannschaft geschafft, einen derartigen Vorsprung zu verspielen. Die Höllenwoche – sie hat offenbar ihren Zweck erfüllt. Zumindest für LeBron James.

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