Sport : Die Hoffnung auf mehr

Mönchengladbach fühlt sich mit dem neuen Stadion wieder konkurrenzfähig

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Ein bisschen was hat die Szenerie in Mönchengladbachs Nordwesten von den aktuellen Zuständen in Athen. Es wird gehämmert, gestöpselt und Bauschutt abtransportiert. Auch Borussia Mönchengladbach bekommt jetzt eine funkelnagelneue Fußballarena. Stadion im BorussiaPark heißt sie fürs Erste, ein Geld- und Namensgeber wird noch gesucht, morgen ist offizielle Eröffnung. Doch außen herum sieht es aus wie an mancher olympischen Stätte in Athen.

Der Unterschied: In Mönchengladbach sind die diversen Löcher um die Arena herum sozusagen eingeplant. Zwar kreuzen Bayern München und der AS Monaco zur Eröffnung zu einem Blitzturnier auf; dass dann alles tipptopp sein wird, hat allerdings nie jemand versprochen. So ist schon länger klar, dass die Amateure noch ein Jahr lang im alten Bökelbergstadion spielen. Und die Profis trainieren noch bis Oktober auf dem Trainingsplatz oberhalb der klapprigen Kultstätte.

Ganz so romantisch betrachtet Holger Fach die Angelegenheit allerdings nicht. „Bei aller Liebe und den vielen, schönen Erinnerungen“ gibt sich der Chefcoach gewohnt nüchtern: „Wir hatten das einzige alte Stadion in der Liga, waren damit nicht konkurrenzfähig.“ Und manchmal ganz schön nass: „Im Winter standen wir bei drei Grad mitten im Regen.“ Das Verhältnis der Borussen zu ihrem Bökelberg muss man sich am Ende so vorstellen wie das ihres Trainers zum Auto seiner Frau. Die fährt einen 25 Jahre alten Käfer Cabrio. „Für ein paar Stündchen im Sommer ist das schön“, sagt Holger Fach. „Aber längst nicht immer.“

An ein neues Stadion haben sie in Gladbach schon vor vier Jahrzehnten gedacht. Aus finanziellen Gründen ließ der Verein, der noch vor vier Jahren 30 Millionen Mark Schulden vor sich herschob, die Pläne aber stets in der Schublade ruhen. Als Deutschland im Juli 2000 den Zuschlag für die Fußball-WM 2006 erhielt, bekamen die ohnehin gereiften Pläne noch einmal einen Schub. Ehemalige VfL- Stars wie Jupp Heynckes, Berti Vogts oder Rainer Bonhof warben für Mönchengladbach als WM-Austragungsort, doch am Ende blieb die Stadt neben Düsseldorf und Bremen unberücksichtigt.

Der Schreck war groß, der Ärger auch. Trotzdem wurde das Stadion in der geplanten Größe weitergebaut. „Ein Quantensprung für unseren Verein – und für unsere Spieler eine Riesensache“, sagt Sportdirektor Christian Hochstätter. Plätze für 53 148 Zuschauer hat der Verein als Kapazität für Bundesligaspiele offiziell angegeben, durch den Umbau von Sitz- zu Stehplätzen in der Südkurve können sogar 60 350 Menschen in die neue Arena – eine enorme Zahl für einen Verein, der in der letzten Saison auf einen Besucherschnitt von 32 500 kam.

Von einem Risiko wollen die Verantwortlichen trotzdem nichts wissen. Zwar sollen im Nordpark künftig auch Konzerte stattfinden, ein Muss sind sie nach Angaben des Vereins aber nicht, um der Stadt Mönchengladbach wie vereinbart in den nächsten 15 Jahren den gewährten Kredit zurückzahlen zu können. Mit 40 000 Zuschauern pro Heimspiel plant die Borussia die kommende Saison – und hofft auf mehr.

Sogar in der Zweiten Liga könne man den mit 87 Millionen Euro vergleichsweise günstigen Neubau refinanzieren, heißt es. Die Ziele sind aber gerade jetzt selbstverständlich andere. „Wir wollen zu Vereinen aufschließen, die das, was wir jetzt machen, schon vor fünf oder zehn Jahren angestellt haben“, erklärt Trainer Fach. „Mit dem neuen Stadion gelingt uns das auch teilweise. Von heute auf morgen wird das aber sicher nicht gehen.“ Immerhin wechselten mit Christian Ziege und Oliver Neuville soeben zwei halbwegs aktuelle deutsche Nationalspieler zur Borussia. „Der Umzug ins neue Stadion war ein guter Zeitpunkt, auch der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben“, sagt Hochstätter. Jetzt muss sie sich nur noch möglichst rasch an die neue Heimstätte gewöhnen.

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