Sport : Die Hoffnung heißt Walker

Der frühere Kapitän soll den Eisbären Berlin den Erfolg zurückbringen

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Wieder im Spiel. Der Kanadier Steve Walker ist seit gestern in Berlin. Foto: p-a/Mika
Wieder im Spiel. Der Kanadier Steve Walker ist seit gestern in Berlin. Foto: p-a/MikaFoto: picture-alliance / Mika

Berlin - Nun ist er also da. Endlich!, ist man geneigt zu sagen, nachdem sich die Geschehnisse in der Berliner Eishockeywelt seit einigen Wochen beinahe nur noch um ihn zu drehen schienen. So einiges wurde in seiner Abwesenheit über ihn getuschelt, und so mancher – zum Teil kruder – Rückholplan für ihn machte die Runde. Seit gestern ist das alles Geschichte. Gestern ist Steve Walker am Flughafen Tegel gelandet, im Gepäck brachte er nicht weniger mit als die Mission, seine Eisbären wieder glücklich zu machen. Der neue alte Berliner Spieler wurde auserkoren, den Erfolg zurückzubringen; Steve Walker ist für die Eisbären nach einer bislang mäßigen Saison so etwas wie ein Heilsbringer.

Dem Protagonisten selbst sind derlei Worte ein bisschen zu viel des Guten. Vielmehr sieht er sich veranlasst, die heldenhaft anmutende Geschichte um sein Comeback zu relativieren. „Ich bin noch nie so spät in eine Saison gestartet“, sagt der 37-Jährige. „Es wird schwierig, meinen Rückstand aufzuholen.“ Gut sieben Monate sind vergangen, seit Walker zuletzt im Dress der Berliner aufs Eis gefahren ist. Damals, als die Saison für die Berliner im Viertelfinale jäh endete, hatte er offengelassen, ob er zur neuen Spielzeit nach Berlin zurückkehrt. Zu viele Wehwehchen hatte Walker mit sich herumgeschleppt, zu groß waren die mit diesem intensiven Sport verbundenen Strapazen.

Warum sich der Angreifer mitten in der laufenden Spielzeit doch für eine Rückkehr entschieden hat, erklärt er so: „Mein ganzes Leben lang spiele ich Eishockey, dieser Sport ist in meinem Blut. Und ich habe ihn sehr vermisst.“ Wenn es um den Nationalsport geht, werden viele Kanadier schnell pathetisch – Walker bildet da keine Ausnahme. Die genetische Veranlagung allein dürfte aber kaum ausreichen, um sich bei den Eisbären wieder zu integrieren. Das weiß auch Walker. Nach eigenen Angaben hat er seit Ende September fünf Mal in der Woche auf Schlittschuhen gestanden und trainiert.

Auch dem Berliner Trainer ist das gute Fitnesslevel seines früheren Kapitäns zu Ohren gekommen, obwohl er bis Ende der Woche nicht ein einziges Mal mit ihm über sein Comeback gesprochen hatte. „Steve läuft zwei Meilen in zehn Minuten. Das ist unglaublich“, findet Don Jackson. Möglich macht’s die Ausbildung bei der Polizei von Ontario, der Heimat Steve Walkers. Und diese Ausbildung ist auch dafür verantwortlich, dass der Kanadier erst jetzt und nicht bereits in der Länderspielpause zum Team gestoßen ist: Am Freitag absolvierte er den letzten Fitnesstest für seinen künftigen Arbeitgeber und fühlt sich auch deshalb „so spritzig wie noch nie in den letzten Jahren. Ich glaube, dass ich den Eisbären viel geben kann.“

Viel geleistet hatte der Kanadier schon früher in Berlin. Zehn Jahre lang stürmte er hier von Rekord zu Rekord. Unter seiner Regie holten die Eisbären vier Meistertitel; er selbst erspielte sich 561 Scorerpunkte, so viele wie kein anderer seines Vereins. Da scheint es kaum verwunderlich, dass die Vereinsführung die Rückkehr ihres einstigen Helden geradezu herbeigesehnt hatte. Nach alldem, was passiert ist. Von der rumpeligen Saison hat Walker natürlich ebenso gehört wie von den jüngsten drei Niederlagen: „Ich war mit einigen Spielern regelmäßig in Kontakt und weiß genau, was auf dem Eis und außerhalb passiert ist. Das ist eine gute Voraussetzung.“

Ein Einsatz im heutigen Heimspiel der Berliner gegen den EHC Wolfsburg (14.30 Uhr) kommt für Walker noch zu früh, sein Trainer liebäugelt jedoch in der kommenden Woche mit dem Comeback, insbesondere im Überzahlspiel soll der neue alte Mann dann für mehr Power auf dem Eis sorgen. Andere Qualitäten von Walker scheinen in diesen Tagen des Misserfolgs bei den Eisbären aber noch viel mehr gefragt zu sein. Trainer Jackson sagt: „Seine Führungsqualitäten und seine vorbildliche Einstellung können wir gut gebrauchen.“ Katrin Schulze

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