Sport : Die Hoffnung kehrt zurück

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Stefan Hermanns über das Comeback von Sebastian Deisler

Sebastian Deisler ist ein Mensch, für den es nur drei Dinge im Leben gibt. Dies sind – in dieser Reihenfolge – Fußball, Fußball und Fußball. Sebastian Deisler ist verrückt nach dem Ball, verrückt nach dem Spiel, und vermutlich hat er nur deshalb all das ertragen können, was er in seiner noch jungen Karriere bereits mitgemacht hat. Denn seitdem Deisler professionell Fußball spielt, ist er mit übertriebenen Erwartungen konfrontiert gewesen.

Wenn man eine Überschrift über die Karriere des Sebastian Deisler setzen müsste, dann wäre „Der Hoffnungsträger“ wohl die treffendste. Er selbst hat sich diese Rolle nicht ausgesucht, vielmehr ist Deisler immer wieder in sie hineingedrängt worden. Dass er die damit verbundenen Anforderungen nicht erfüllen konnte, lag weniger an ihm als an den überzogenen Erwartungen. 1999 sollte Deisler Borussia Mönchengladbach vor dem Abstieg retten – da war er gerade 19. Und obwohl das Unternehmen scheiterte, ging sein persönlicher Aufstieg weiter. Wenig später hatte es Deisler schon zum Retter des deutschen Fußballs gebracht, und auch in Berlin war er recht schnell für besondere Aufgaben auserkoren worden. Um ihn herum sollte eine HerthaMannschaft entstehen, die Europa das Fürchten lehrt. Als „zentrales Element unserer Zukunftsplanung“ hat Herthas Präsident Schiphorst den Hochbegabten einst tituliert. Doch der reichte wenig später sein Kündigungsschreiben ein.

Es ist fast paradox, dass von Sebastian Deisler ausgerechnet bei dem Verein am wenigsten erwartet wird, von dem immer am meisten erwartet wird. Bei den Bayern aber findet er eine Umgebung vor, die viel von dem öffentlichen Interesse absorbiert, das Deisler noch nie besonders behagt hat. In München gibt es eben auch noch Oliver Kahn, Michael Ballack und Mehmet Scholl.

Hinzu kommt, dass manchem schon das Comeback Deislers am Dienstag wie ein kleines Wunder vorgekommen ist. Seit dem Beginn seiner Karriere nämlich spielt Deisler gegen das allgemeine Vorurteil an, nicht die körperliche Verfassung zu besitzen, die für seinen Beruf notwendig ist: zu dünn, zu schwach, zu verletzungsanfällig. Gerade nach seinem schweren Knieschaden ist Deisler für viele erst einmal ein Fußballprofi auf Abruf – bis zur nächsten Verletzung. Für Sebastian Deisler hat das einen entscheidenden Vorteil. Zum ersten Mal in seiner Karriere wird er nicht mit übertriebenen Erwartungen konfrontiert.

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