Sport : Die Hoffnung kommt zuletzt

Das deutsche Team spielt nach einem 0:2-Rückstand noch 2:2 gegen Japan

Michael Rosentritt[Leverkusen]

Die Heizstrahler unter dem Stadiondach waren alle auf die höchste Stufe geschaltet, so kühl war es am vorletzten Maiabend in der Leverkusener Bayarena. Und was die 22 500 Zuschauer sahen, erwärmte sie auch nur zum Schluss ein bisschen. Im vorletzten Test vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 9. Juni gegen Costa Rica trennte sich die deutsche Nationalmannschaft nach einem 0:2-Rückstand 2:2 (0:0) vom WM-Teilnehmer Japan.

Die Stimmung in Leverkusen war lange Zeit entsprechend gedämpft und eine ganz andere als am vergangenen Samstag in Freiburg, als die Fans die deutsche Mannschaft beim 7:0 gegen Luxemburg feierten, als sei sie gerade ins WM-Endspiel eingezogen. Gestern war nun zu sehen, dass es bis dorthin noch ein weiter Weg ist. Die deutsche Mannschaft kam schwer in das Spiel gegen die gut organisierten Japaner. Zwar versuchte das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann von Beginn an, schnell in die Spitze zu spielen. Doch die Japaner machten mit ihrer hohen Laufbereitschaft und großer taktischer Disziplin die Räume so eng, dass der letzte Pass zu den Stürmern Lukas Podolski und Miroslav Klose nicht ankam. Klose war rechtzeitig zum Spiel wieder eingetroffen, nachdem er am Montag kurzfristig aus privaten Gründen für einen Tag zu seiner Familie gefahren war. Im Spiel war lange wenig von ihm zu sehen.

Die ersten Torchancen hatten die Gäste. Nach zwei Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung der Deutschen kamen Hidetoshi Nakata und Atsushi Yanagisawa frei vor dem deutschen Torhüter Jens Lehmann zum Schuss, der aber einen frühen Rückstand verhinderte. Die Gäste griffen immer wieder über die rechte Abwehrseite der Deutschen an, auf der gestern Bernd Schneider für Arne Friedrich von Hertha BSC spielte. Schneider setzte mehr Akzente als der zuletzt schwache Friedrich in der Offensive, doch die fehlende Abstimmung mit den Innenverteidigern Christoph Metzelder und Per Mertesacker war nicht zu übersehen. Im Mittelfeld war Mannschaftskapitän Michael Ballack nach seiner Kapselbanddehnung im Knöchel von Anfang an dabei, zudem standen Torsten Frings, Tim Borowski und Bastian Schweinsteiger im Mittelfeld in der Startelf.

Viele Torchancen spielten sie nicht heraus, obwohl sich die deutsche Mannschaft nach 20 Minuten die Feldüberlegenheit erarbeitete. Erst kurz vor der Halbzeit vergaben Schneider und der zu eigensinnige Podolski die ersten guten Tormöglichkeiten.

Jürgen Klinsmann wechselte in der Pause nicht aus, erst zehn Minuten nach dem Wechsel brachte er Jens Nowotny für Christoph Metzelder. Nowotny machte schon eine Minute später eine unglückliche Figur, als er eine Abseitsstellung von Naohiro Takahara aufhob, der alleine vor Lehmann keine Mühe hatte, die Mannschaft des brasilianischen Trainers Zico in Führung zu schießen. „Leider habe ich in dieser Situation das Falsche gemacht“, sagte Nowotny.

Weitere zehn Minuten später war es wieder Takahara, der zunächst Ballack umspielte und dann Lehmann bei seinem zweiten Tor keine Chance ließ. Takahara, der nach der Weltmeisterschaft vom Hamburger SV zu Eintracht Frankfurt wechselt, hatte in der gesamten vergangenen Bundesligasaison nur einen Treffer erzielt.

Klinsmann reagierte und brachte David Odonkor, der in seinem ersten Länderspiel gleich die Gelbe Karte für eine Schwalbe im Strafraum sah. Immer wieder versuchte der schnelle Odonkor Flanken in den Strafraum der Gäste zu schlagen, meistens blieb er aber hängen. Die Japaner bauten nun kräftemäßig ab, obwohl sie bei Kontern nach wie vor gefährlich blieben und der deutschen Abwehr große Probleme bereiteten. Zwei Standardsituationen brachten schließlich noch den Ausgleich: Eine Viertelstunde vor dem Ende war Klose nach einem Freistoß von Schweinsteiger mit dem Fuß zur Stelle, fünf Minuten später köpfte Schweinsteiger nach einem Freistoß von Schneider selbst ein. Die deutsche Mannschaft kämpfte, obwohl sie in den vergangen Tagen sehr hart trainiert hatte und ein Grund für die gestrige Leistung sicher in der hohen Belastung der Spieler liegt. „Uns hat die Spritzigkeit gefehlt, die Japaner sind besser in die Zweikämpfe gekommen und waren uns einen Tick voraus“, sagte Michael Ballack.

Es gibt also noch etwas aufzuholen. Am Freitag trifft die deutsche Mannschaft im letzten Testspiel vor der WM in Mönchengladbach auf Kolumbien.

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